Vogelspinne Brachypelma auratum mit medizinischen Symbolen

Erste Hilfe bei Vogelspinnen - Was Halter im Ernstfall tun können!

Bevor es gleich richtig losgeht: Während einige von euch interessehalber hier sind oder sich nur tiefer in die Thematik einlesen wollen, sind andere vielleicht aus akuten Gründen hier gelandet, weil mit ihrer Vogelspinne etwas nicht stimmt und sie dringend Hilfe suchen oder Rat brauchen. 

Damit ihr euch möglichst schnell orientieren könnt, findet ihr in diesem Artikel folgende Themen: 

  1. Dehydrierung
  2. Häutungsprobleme
  3. Verstopfung
  4. Schnitt- und Sturzverletzungen, Gliedmaßenverlust, Verbrennungen, abgebrochene Cheliceren und Tarsen stecken an der Gaze fest
  5. Vergiftungen
  6. Parasitenbefall und Pilzinfektionen

Folgende Symbole zeigen euch, wo ihr welche Informationen findet:

  • ⚠️ Risikofaktoren
  • 👀 Woran erkennt man ...?
  • 💡 Präventionsmaßnahmen
  • 🚨 Was tun im Ernstfall?

An alle, die gerade um ihre Vogelspinne besorgt sind, ich wünsche euch und eurem Tier viel Glück, gute Besserung und dass ihr die Informationen findet, die euch helfen.

Für alle anderen beginnt nun der entspannte, ausführliche Artikel. Viel Spaß beim Lesen! 

Wenn meine Hunde oder meine Katze verletzt sind oder krank werden, liegt klar auf der Hand, was im Zweifel zu tun ist: Ab zum Tierarzt! Und mit einem solchen Haustier kannst du nahezu jede Praxis aufsuchen - fast jeder Tierarzt kennt sich mit Hund oder Katze aus. 

Doch was ist mit uns Vogelspinnenhaltern?

Ja, es gibt tatsächlich Tierärzte, die auch Wirbellose behandeln. Aber aufgepasst: Wer nach einer solchen Praxis sucht, gelangt über die Internetsuche oft zu Exotentierärzten, die zwar Terrarientiere betreuen, darunter aber Reptilien oder Amphibien verstehen oder auch Zierfische und Papageien behandeln.

Bevor du dich also mit deiner Spinne auf den Weg machst, solltest du immer vorher abklären, ob die Praxis auch wirklich Spinnen untersuchen kann. Selbst wenn es solche Tierärzte gibt, es sind nur wenige und auch ihre Möglichkeiten sind stark begrenzt.

Woran liegt das?

Die Vogelspinnencommunity hier in Deutschland ist keine winzige Mini-Nische, wie viele Außenstehenden oft denken. Ich musste schon den ein oder anderen Besucher "desillusionieren", der dachte ich sei eine absolute Rarität - Nein, wir sind viele! 

Verglichen jedoch mit Hund, Katze, Pferd und Co. sind wir eindeutig eine Randgruppe. Und allein schon deshalb lohnt es sich für Tierärzte oder die veterinärmedizinische Forschung kaum, viel Zeit oder Geld in die Versorgung von Vogelspinnen zu investieren.

Hinzu kommt: Spinnen funktionieren völlig anders! Größe, Stoffwechsel, Blutkreislauf, Physiologie - all das macht Behandlungen ungleich schwieriger als bei Hund oder Katze.

Während Hundehalter also besser sofort in die Praxis fahren, bevor sie spekulieren und rätseln, ob der komisch aussehende Knubbel total harmlos oder doch gefährlich ist, lohnt es sich für uns Vogelspinnenhalter häufig, Probleme in spezialisierten Onlineforen zu schildern. Dort trifft man auf Halter mit jahrzehntelanger Erfahrung. Dieses geballte Vogelspinnen-Wissen ist nicht selten hilfreicher als der Rat eines Tierarztes um die Ecke. 

Hast du das Glück, dass sich ein kundiger Tierarzt in deiner Umgebung befindet, dann nutze diese Möglichkeit unbedingt! Aber auch er wird in vielen Fällen leider nur begrenzt Hilfe leisten können. 

So bleibt die Frage: Was können wir als Halter selbst tun?

👉 Prävention: Wie lassen sich Risiken von Krankheiten und Unfällen minimieren?
👉 Woran erkennen wir eigentlich einen Notfall?
👉 Und was ist im Ernstfall überhaupt noch machbar?

Auf all das werfen wir im Folgenden einen genauen Blick: Mit bewährten Praxistipps, die das Leben deiner Spinne vielleicht verbessern oder sogar retten können!

PS: Ich verzichte hier bewusst auf eine Liste geeigneter Tierärzte. Ich selbst habe noch nie mit einer Spinne einen Tierarzt aufgesucht und könnte daher auch nur "Google-Ergebnisse" abschreiben. Bevor ich also auf gut Glück eine Liste mit Namen und Ansprechpartnern ausgebe, die ich nicht persönlich geprüft habe, bleibe ich lieber bei meinem eigenen Wissen und bei Bedarf kann jeder selbst Google nach geeigneten Adressen befragen!

Wichtiger Hinweis vorab

Bevor wir über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vogelspinnen sprechen, müssen wir eine wichtige Grundlage klären: Um unnormales Verhalten als solches erkennen zu können, musst du natürlich wissen, was normales Verhalten ist und wann deine Spinne davon abweicht. 

Das Verhalten einer Spinne kann dich irritieren oder in Sorgen versetzen, obwohl alles okay ist. Nicht alles, was erst mal komisch wirkt, ist auch wirklich schlimm!

Wenn du dir unsicher bist, ob deine Beobachtungen alarmierend sind oder nicht, wirf gerne einen Blick in meinen Einsteiger-Guide Deine erste Vogelspinne. Dort werden typische Verhaltensweisen beschrieben, die dir helfen können, die Situation besser einzuschätzen. Möglicherweise löst sich damit dein Problem bereits von selbst :)

1) Dehydrierung

Wie bei uns Menschen kann Flüssigkeitsmangel auch deiner Spinne schnell gefährlich werden. Vogelspinnen decken ihren Bedarf hauptsächlich über ihre Beutetiere und über Feuchtigkeit in ihrer Umgebung. Außerdem nehmen sie freie Wassertropfen auf oder trinken das Wasser aus einem Napf. Auch trockenliebende Arten können daher von einem dauerhaft feuchten Spot oder Trinkschälchen im Terrarium profitieren. 

Caribena laeate Weibchen trinkt Wasser

🤔 Wie kann es zu Dehydrierung kommen?

Ein großer Risikofaktor ist die Häutung deiner Spinne.

In der Zeit davor stellen die meisten Vogelspinnen die Nahrungsaufnahme vollständig ein. Manche ziehen sich sogar Wochen im Voraus unterirdisch zurück und verschließen den Eingang ihrer Höhle. Da Beutetiere eine wichtige Wasserquelle sind, fehlt in dieser Zeit ein Teil der regulären Flüssigkeitszufuhr.

Auch der Häutungsprozess selbst belastet den Wasserhaushalt. Bei diesem physiologisch kräftezehrenden Vorgang nutzt die Spinne ihre Hämoplymphe, um Druck zwischen neuer und alter Haut aufzubauen. Dieser Flüssigkeitsverlust muss im Anschluss wieder ausgeglichen werden.

👉 Tipp: Wenn du erste Anzeichen einer Häutung erkennst, sorge rechtzeitig für stabile Bedingungen und behalte das Tier nach dem Vorgang gut im Auge. Überschwemme das Terrarium aber nicht: weniger ist mehr!

Neben der Häutung sind vor allem die generellen Haltungsparameter entscheidend. Kritische Faktoren sind:

  • zu niedrige Luftfeuchte, insbesondere bei feuchtigkeitsliebenden Arten
  • heiße Standorte: Heizung, direkte Sonneneinstrahlung
  • hohe Temperaturen: Das Substrat trocknet schneller aus und sollte häufiger kontrolliert werden 

🌡️ Viele Vogelspinnen benötigen ohnehin keine extrem hohen Temperaturen - dauerhaft zu warm zu halten richtet oft mehr Schaden an als Nutzen.

 

Zusätzlich können Krankheiten, Parasiten oder Altersschwäche dazu führen, dass eine Spinne Flüssigkeit schlechter aufnehmen oder halten kann, selbst dann, wenn Haltungsparameter und Wasserangebot eigentlich stimmen. 

👀 Wie erkenne ich Dehydrierung bei meiner Vogelspinne?

Achte besonders auf das Abdomen deiner Spinne , denn es liefert bei vielen Fragestellungen erste wichtige Hinweise auf ihren Zustand.

Eine gesunde Vogelspinne besitzt in der Regel ein elastisch wirkendes, nicht eingefallenes Abdomen.

Die Größe variiert dabei natürlich je nach Futterzustand: Ein schlankes Abdomen bedeutet nicht automatisch, dass die Spinne krank oder dehydriert ist. Bei normaler Flüssigkeitsversorgung kann es mit der Zeit wieder an Umfang zunehmen.

⚠️ Hinweise auf eine Dehydrierung am Körper der Spinne

  • sichtbar eingefallene oder leicht faltige Bereiche am Abdomen
  • Hinterleib wirkt insgesamt "trocken" oder schlaff
  • in manchen Fällen kann sogar der Carapax betroffen sein

⚠️ Hinweise auf eine Dehydrierung am Gangbild der Spinne

  • Das Bewegungsverhalten wirkt unrund, z. B. wacklig, orientierungslos, "anders" als sonst
  • Die Beine werden nicht mehr vollständig gestreckt 
  • Die Beine ziehen sich zunehmend nach innen unter den Körper

⚠️ Verhaltensänderungen können ebenfalls ein Hinweis sein

Zeigt ein sonst sehr defensives Tier plötzlich kaum noch Reaktionen auf Störungen, deutet auch das auf eine insgesamte Schwächung hin.

❗💧Solange ihre Kräfte noch ausreichen, reagieren deyhdrierte Spinnen oft sehr intensiv auf angebotene Wassertropfen und beginnen sofort zu trinken! 

🚨 Was tun im Ernstfall?

💧Erste Maßnahme: Ruhig Wasser anbieten!

Im Notfall sollte so schnell wie möglich Wasser bereitgestellt werden, dabei aber unbedingt schonend und bedacht vorgehen.

  • Gib das Wasser tröpfchenweise direkt vor die Spinne auf den Untergrund
  • Die Spinne nicht besprühen, nicht anfassen und nicht erschrecken.
    👉 Stress kostet Energie – und genau diese fehlt ihr jetzt.

Ein gutes Zeichen ist es, wenn sich die Spinne zielgerichtet auf den Tropfen zubewegt und das Mundfeld nach unten drückt. In diesem Fall war sie eindeutig durstig und was sie nun braucht, aus welchem Grund auch immer, ist Wasser. Gib also vorsichtig weitere Tropfen nach, bis sie von selbst aufhört zu trinken.

💀 Death Curl - ist überhaupt noch was zu machen?

Die sogenannte Death Curl gehört zu den letzten Warnzeichen eines sehr schlechten Allgemeinzustandes.

Physiologisch bricht dabei der Körperdruck der Spinne zusammen, den sie wiederum benötigt, um ihre Beine gestreckt zu halten. Somit ziehen sich die Beine unter den Körper der Spinne. 

❗Die gute Nachricht ist: Auch in diesem Stadium gibt es noch reele Chancen auf Regeneration!

💧📦 Die Feuchtigkeitsbox - letzte Maßnahme für besonders schwere Fälle

Für diese kleine Rettungsbox benötigst du lediglich 

  • ein luftdurchlässiges Gefäß mit Deckel, z. B. eine leere Heimchen-Verpackung
  • Küchenrolle, Taschentücher oder andere saubere Zellstoffe ohne Parfümierung
  • Wasser, ggf. in einer Sprühflasche

Tiere, die sich bereits in der Death Curl befinden, keine oder nur noch stark eingeschränkte Reaktionen zeigen und generell sichtbar geschwächt sind, können mit dieser Maßnahme eventuell noch gerettet werden. 

Kleide dazu deine Box z. B. mit Küchenpapier aus und befeuchte die Papierlagen sorgfältig, am einfachsten geht das mit einer Sprühflasche. Das Material sollte gut feucht sein, aber nicht klatschnass. Stehendes Wasser sollte unbedingt vermieden werden!

Die Spinne kann nun in die Box gesetzt werden, ab dann heißt es abwarten. Die Feuchtigkeitsbox sollte:

  • an einem ruhigen Ort bei moderater, stabiler Temperatur stehen
  • Extreme sind zu vermeiden: Zu hohe Temperaturen erhöhen den Stoffwechsel und verschlechtern die Situation bei Dehydrierung, zu niedrige Temperaturen können die Reaktionsfähigkeit weiter reduzieren
  • Bewährt hat sich eine Platzierung bei normaler Raumtemperatur oder leicht darüber – ohne direkte Wärmequelle und ohne Zugluft.

💡 Prävention

☝️ Nach der Häutung besonders aufmerksam sein

Die Zeit rund um die Häutung ist das größte Risiko für Dehydrierung.
Trotzdem gilt: keine panischen oder überhasteten Maßnahmen.

  • Wasser- und Flüssigkeitsangebot wie gewohnt aufrechterhalten
  • Bei ersten Auffälligkeiten gezielt Wasser anbieten
  • Kein Fluten des Terrariums
  • Keine künstliche Sumpflandschaft

Ruhige, kontrollierte Anpassungen sind deutlich effektiver als hektisches Eingreifen.

☝️ Haltungsparameter artgerecht wählen

Nicht jede Vogelspinne benötigt einen feuchten Lebensraum, aber jede benötigt Zugang zu Wasser.

Arten mit feuchterem Habitat haben meist ein geringeres Dehydrierungsrisiko, sofern Luft- und Substratfeuchte ihren Bedürfnissen entsprechen.

Trocken zu haltende Arten wie Pterinochilus oder viele Brachypelma profitieren dennoch von einem Feuchtegradienten im Terrarium. Bewährt hat sich zum Beispiel:

  • eine überwiegend trockene Einrichtung kombiniert mit
  • einer dauerhaft leicht feuchten Ecke im Substrat

So kann das Tier selbst wählen, was es aktuell benötigt. 

☝️ Wasser anbieten

Je nach Art und Größe eignen sich:

  • ein Wassernapf
    • vor allem bei größeren Tieren
    • gut für sehr trocken zu haltende Arten geeigent
    • stark spinnende Arten werden den Napf vermutlich mit zuspinnen, was ihn mehr oder weniger nutzlos macht 
  • feuchter Spot im Substrat 
  • gelegentlich sehr leichte Sprühstöße
    • kein Dauerregen, keine Staunässe!

☝️ Gesundheitszustand im Blick behalten

Achte auf Anzeichen von:

  • Parasitenbefall
  • Krankheiten
  • altersbedingter Schwäche

Geschwächte Tiere dehydrieren schneller, selbst bei eigentlich guten Haltungsbedingungen.

2) Häutungsfehler

Die Häutung ist eine der kritischsten Phasen im Leben einer Vogelspinne. Dabei ist das Tier maximal schutzlos, gleichzeitig benötigt es die Häutung jedoch zwingend für das Wachstum.

Anders als wir besitzen Vogelspinnen ein starres Exoskelett, das nicht einfach mitwächst. Darum muss es in regelmäßigen Abständen vollständig abgestreift und erneuert werden. Dieser Vorgang ist extrem energieaufwändig und setzt voraus, dass mehrere physiologische Mechanismen präzise ineinandergreifen. 

Genau das macht die Häutung zu einem besonders sensiblen und störungsanfälligen Prozess, bei dem bereits kleine Abweichungen problematisch werden können. 

Vogelspinne bei der Häutung

🤔 Was sind Häutungsfehler und wie kann es dazu kommen?

Nach einer erfolgreichen Häutung hat deine Spinne nicht nur ihr äußeres Gewand abgelegt, sondern auch zahlreiche kutikuläre Strukturen wie Cheliceren und sogar Teile des Verdauungstraktes erneuert. 

Unter einem Häutungsfehler versteht man alle Abweichungen von diesem Normalzustand: Die alte Haut löst sich nicht vollständig, einzelne Gliedmaßen regenerieren fehlerhaft oder, im schlimmsten Fall, die alte Haut härtet frühzeitig aus, bevor die Spinne sie vollständig abstreifen kann. In solchen Fällen gibt es meist leider keine Rettung mehr. 

⚠️ Welche Risikofaktoren gibt es?

Für uns Halter liegt der Fokus weniger auf der Häutung selbst, sondern auf Prävention. Aber auch das haben wir nur bedingt in der Hand. 

💧 Luftfeuchtigkeit

Zu trockene Umgebungsluft kann den Vorgang erschweren und ins Stocken bringen. Feuchtigkeit beeinflusst nämlich die Elastizität der alten Cuticula und unterstützt die Ablösung von alter und neuer Haut.

☝️Als Referenz für die optimale Luftfeuchte gelten immer die natürlichen Bedürfnisse der gehaltenen Art. 

 So ist es weder notwendig noch hilfreich das Terrarium einer Vogelspinne aus sehr trockenen Habitaten in eine tropische Regenkammer zu verwandeln. Zwar sind diese Arten an trockenere Bedingungen angepasst, dennoch legen viele von ihnen in der Natur sehr tiefe Wohnröhren an. So dringen sie in Bodenschichten vor, die ein stabileres Mikroklima und ein gewisses Maß an Grundfeuchte aufweisen. 

Dieses feuchtere Rückzugsgebiet spielt insbesondere während der Häutung eine wichtige Rolle und sollte auch in der Haltung stets berücksichtigt werden, z. B. durch dauerhaft feucht gehaltene Spots im ansonsten eher trockenen Terrarium. 

😵 Überfütterung

Bestimmt hast du schon einmal den Hinweis gesehen, dass das Abdomen deiner Vogelspinne idealerweise nicht mehr als das 1-1,5fache (je nach Quelle auch das maximal 2fache) des Carapax betragen sollte. Dieser Appell dient nicht nur der Prävention von Sturz- oder Schnittverletzungen, sondern ist auch wichtig für die Häutung.


Wird das Abdomen zu groß, kann deine Spinne große Probleme haben aus der Haut zu kommen. Durch die vergrößerte Oberfläche verändern sich die Druckverhältnisse im Spinnenkörper, die bei der Häutung entscheidend sind. Zudem steigt das Risiko von Anhaftungen der alten Haut und fehlerhaften Neubildungen einzelner Hautstellen.

❌ Falsche Haltungsparameter und Unterversorgung

Nicht nur Überfütterung, auch Unterversorgung kann zu Problemen führen. Mangelernährte Tiere sind grundsätzlich geschwächt und die Häutung als echter Kraftakt fordert viele Ressourcen - das Risiko für Komplikationen steigt. 

Sind durch unzureichende Ernährung, falsche Haltungsbedingungen, Stress und andere ungeeignete Faktoren bereits Vorschädigungen vorhanden, ist die Spinne nur unzureichend auf diesen energieintensiven Prozess vorbereitet. Das Risiko, diesen Vorgang nicht unbeschadet zu überstehen, erhöht sich entsprechend. 

Neben der Luftfeuchtigkeit spielt hier auch die Temperatur eine entscheidende Rolle, als Referenz gelten die Haltungsbedürfnisse der gehaltenen Art. Beide Extreme können die Häutung negativ beeinflussen: Zu niedrige Temperaturen können enzymatische Prozesse verlangsamen, während zu hohe Temperaturen Stress verursachen und den Flüssigkeitsverlust erhöhen können.

⚡ Störungen und Gefahrenquellen durch 🐛 Futtertiere

Das A und O während der Vorbereitungen und der Häutung selbst ist ein ungestörtes Umfeld. Im Idealfall wird das Terrarium nicht bewegt, nicht berührt, der Deckel nicht geöffnet und auch nicht darin hantiert. 

❗Dramatisieren muss man es allerdings auch nicht!

Es ist völlig in Ordnung, ruhig daneben zu stehen, zu beobachten und den gewohnten Aktivitäten im Zimmer nachzugehen - auch wenn ich den Schlagbohrer erst mal nicht zum Einsatz bringen würde 😄 Wichtig ist nur, es der Spinne so einfach wie nur möglich zu machen und unnötige Störungen zu vermeiden. 

Besondere Vorsicht ist bei Futtertieren geboten. Nicht alle sind eine direkte Gefahr für die Spinne: Ofenfischchen oder Fliegen können ihr nichts anhaben, andere Tiere, z. B. Heimchen oder Mehlwürmer könnten den Spieß jedoch umdrehen und sich an der wehrlosen Spinne vergreifen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass das umherlaufende Futtertier, unabhängig von seiner Intention, ein Störfaktor an sich ist und für Stress sorgen kann. Daher ist es immer ratsam auf Anzeichen einer möglichen Häutung zu achten und nicht angenommenes Futter immer nach einer Weile wieder aus dem Terrarium zu entfernen.

Sollte es doch mal dazu kommen, dass du während einer Häutung ein Futtertier entdeckst, heißt das nicht sofort Panik. Wenn machbar, dann einfach das Tierchen diskret und zügig herausfangen. Bevor du aber wie ein Schaufelbagger im Terrarium herumwühlst und du zum Stressfaktor für die Spinne wirst, beoabchte lieber ruhig und greife nur im Notfall ein. 

😌 Das Risiko durch die Futtertiere soll nicht unterschätzt werden, aber dass sich die Heimchen direkt auf die Spinnen stürzen, trifft so auch nicht zu!

👀 Woran erkenne ich eine anstehende Häutung?

Nicht alle Spinnen häuten sich offensichtlich - manche ziehen sich auch schon lange davor in den Untergrund zurück und verbarrikadieren sich. Dann sollte nicht mehr gefüttert werden. Bewährte Routinen wie Temperaturführung oder Sprühintervalle können jedoch wie gewohnt weitergeführt werden. 
 
☝️Im Einsteiger-Guide gehe ich auf diese Zusammenhänge ausführlich ein, für vertiefende Informationen lohnt sich dort ein Blick.

Andere Tiere vollziehen die Häutung offen an der Oberfläche oder sogar mitten im Terrarium. Im Vorfeld lassen sich dann oft Verhaltensänderungen beobachten, denn viele Tiere reduzieren ihre Aktivität, ziehen sich häufiger zurück und wirken insgesamt träger. 

Abdomen einer jungen Vogelspinne kurz vor der Häutung
Besonders bei New World-Arten ist die anstehende Häutung häufig auch optisch gut zu erkennen. Das Abdomen verfärbt sich dunkler und wirkt fast schon glänzend oder sieht "speckig" aus. 

Diese Verfärbung entsteht, weil sich die neue Cuticula bereits unter der alten Haut bildet und sich zwischen den Hautschichten Flüssigkeit ansammelt.

Ein weiteres und recht eindeutiges Anzeichen ist der Häutungsteppich, der meist unmittelbar vor Beginn des Vorgangs gesponnen und, falls vorhanden, mit Brennhaaren ausgekleidet wird. 
Häutungsteppich einer Vogelspinne

Zur Häutung selbst legt sich die Spinne auf den Rücken. Ab diesem Moment beginnt die äußerst sensible Phase, über die wir bereits gesprochen haben.

💡Es ist übrigens völlig normal, dass die Spinne nach dem Ablegen zunächst regungslos liegen bleibt.

Es können sogar noch mehrere Stunden vergehen, bevor sie mit den rhytmischen Bewegungen der Cheliceren das Aufbrechen des Carapax einleitet und die Spinne aus ihrer alten Haut schlüpft.

🤔 Was ist bei einer Häutung normal und ab wann wird es bedenklich?

Während der Häutung ist Geduld für uns Halter oft die größte Herausforderung. Viele Abläufe, die beunruhigend wirken, gehören aber tatsächlich zum gesunden Ablauf und sind vollkommen normal und unbedenklich.

Manche Tiere häuten sich unterirdisch, davon bekommst du dann nichts mit und solltest auch nicht eingreifen. Eine verbarrikadierte Wohnröhre sollte nie geöffnet oder ausgegraben werden, da es zu massivem Stress führen und den gesamten Prozess gefährden kann. 

Offen sichtbare Häutungen haben meist folgendes Schema:

  • Die Spinne legt sich auf den Rücken
  • Rhytmische Bewegungen der Cheliceren leiten den Vorgang ein - die Dauer dazwischen kann stark variieren!
  • Der Carapax platzt auf
  • Die Beine werden milimeterweise aus der alten Haut gezogen, das geschieht weitgehend parallel, dennoch kommt ein Beinchen vielleicht schneller heraus als das andere, außerdem haben die Beine auch unterschiedliche Längen
  • Pausen zwischen diesen "Pump-Stößen" sind völlig normal! Die Spinne zieht nicht unaufhörlich, bis alle Beine frei liegen
  • Nach der Häutung bleibt das Tier noch eine Weile auf dem Rücken liegen und sieht kraftlos und glasig aus

☝️ Es kann Stunden dauern, bis die Häutung überhaupt beginnt! Auch Pausen währenddessen sind normal, eine feste Zeitgrenze, ab wann die Häutung "schiefgeht" gibt es so nicht

⚠️ Wann sollten die Alarmglocken angehen?

Auch wenn es keine exakte Definition gibt, wie lange welcher Abschnitt dauern darf, wenn überhaupt kein Fortschritt mehr stattfindet, ist irgendwann eine kritische Grenze überschritten. 

Sobald der Carapax geöffnet ist, ist normalerweise ein stetiges Fortschreiten zu verzeichnen, auch wenn die Spinne immer wieder kurze Pausen einlegt, bevor sie weiter aus der Haut gleitet! Geschieht über einen längeren Zeitraum nichts mehr und daran ändert sich dann auch im Folgendes nichts, könnte ein Problem vorliegen.

Die kritischen Anzeichen verdichten sich, wenn es aussieht, als würden Gliedmaßen "feststecken" und sich nicht mehr rausziehen lassen oder die Haut tatsächlich trocken, unflexibel oder verhärtet aussieht.

❗Hier kann ein Eingreifen in Erwägung gezogen werden, aber es ist immer mit Risiken verbunden und die Erfolgsaussichten sind niemals garantiert!

🚨 Was tun im Ernstfall?

💦 Wasserdampf

Eine vergleichsweise schonende erste Maßnahme ist Wasserdampf. Mit etwas Glück genügt das, um die alte Haut wieder elastischer zu machen und der Spinne wieder Antrieb zu geben.

Du kannst dazu entweder das Terrarium vorsichtig ins Badezimmer stellen, Türen und Fenster am besten schließen und in der Dusche oder Badewanne heißes Wasser laufen lassen. Der Raum sollte sich mit dem Wasserdampf füllen, so wie du es vielleicht von angelaufenen Spiegeln kennst. 

Alternativ ist es auch möglich eine Schale neben das Terrarium zu stellen und sie mit heißem oder kochendem Wasser zu befüllen.

⚠️ Wichtig ist, das Tier niemals direkter Hitze auszusetzen oder mit dem Wasser in Kontakt kommen zu lassen. 

🩺 Allerletzte Maßnahme: Manuelle Unterstützung

Wenn der Wasserdampf nicht dazu führt, dass die Spinne aus eigener Kraft weitermacht und der Carapax ist bereits befreit, kann mit einer extrem ruhigen Hand versucht werden die Spinne selbst aus der Haut zu ziehen.

⚠️⚠️⚠️ Wichtig: Niemals am Körper ziehen! Nur vollständig leere Hautreste greifen, insbesondere mit scharfen Hilfsmitteln wie einer Pinzette. Spürst du beim Lösen Widerstand, brich den Vorgang bitte ab. 

🤕 Selbst wenn du deine Spinne erfolgreich und an einem Stück herausziehen kannst, es können bereits schwere Schäden entstanden sein. Leider gibt es Situationen, in denen keine Rettung mehr möglich ist 

Du kannst hierzu eine Feuchtigkeitsbox vorbereiten (siehe oben, Abschnitt Dehydrierung) und den "Eingriff" auf einem feuchten, sauberen Küchenpapier durchführen. Danach sollte die Spinne die Gelegenheit bekommen in absoluter Ruhe bei geeigneten Temperaturen zu regenieren.

3) Verstopfung bei Vogelspinnen

Anzeichen einer Verstopfung bei Vogelspinnen

Obwohl sich Vogelspinnen anatomisch stark von uns unterscheiden, haben wir dennoch einige grundlegende Gemeinsamkeiten. Dazu gehört z. B. das Ausscheiden unverdaulicher Nahrungsreste.

Dieser Prozess kann wie bei uns Menschen gestört sein: Auch Vogelspinnen können unter Verstopfung leiden! Während wir dieses Problem meist mit einfachen Hausmitteln oder Medikamenten lösen können, stehen Spinnen weniger Hilfsmechanismen zur Verfügung. 

Dazu kommt, dass die Verstopfung in der Terrarienhaltung meist lange nicht bemerkt wird und leider nicht selten tödlich endet 😔

Warum ist eine Verstopfung für Vogelspinnen so gefährlich? Was passiert dabei im Körper des Tieres und woran lässt sich das Problem erkennen? Haben wir Möglichkeiten, und wenn ja, welche, um vorzubeugen oder im Notfall zu helfen?

🤔 Was geschieht bei einer Verstopfung und wie kann es dazu kommen?

Vielleicht weißt du schon, dass deine Spinne ihr Futter nicht im klassischen Sinne aufnimmt. Statt zu kauen hält sie die Beute mit ihren Cheliceren fest und verwandelt die Beute mithilfe von Verdauungsenzymen in eine Art Futter-Cocktail. Diese Enzyme verflüssigen das Gewebe, welches erst in dieser Form von der Spinne aufgenommen werden kann. 

☝️ Um Nahrung aufnehmen zu können, findet bei Spinnen eine externe Vorverdauung statt. Dieser Vorgang wird extrakorporale Verdauung genannt. 

Der Nahrungsbrei gelangt über den Schlund in den Saugmagen. Dort wird er weiter zersetzt und in den Verdauungstrakt transportiert. Chitin, Haare oder Panzerteile werden als unverdauliche Reste nicht aufgenommen, sondern wandern durch den Darm und verlassen den Körper schließlich als Kot 💩.

Bei einer Verstopfung stockt dieser Transport, die Reste sammeln sich im Abdomen und der Druck auf die inneren Organe steigt. Löst sich der Stau nicht, können Organversagen und Tod die Folge sein. 

⚠️ Welche Risikofaktoren gibt es?

Je nach Blickwinkel erleichternd oder ernüchternd: Auch beim Thema Verstopfung haben wir das Schicksal unserer Spinne nur bedingt in der Hand. Selbst bei optimaler Haltung und bester Pflege können Komplikationen auftreten. Wenn dein Tier also betroffen ist, heißt das nicht unbedingt, dass du etwas falsch gemacht hast! 

☝️Ein guter Allgemeinzustand ist natürlich grundsätzlich förderlich und es gibt durchaus einige Faktoren, die sich von uns gezielt beeinflussen lassen.

😵 Überfütterung

Zurecht wird immer wieder an die Halter appelliert, beim Füttern auf die Proportionen zu achten. Ein übergroßes Abdomen geht mit einer Reihe von Risiken einher, darunter auch das einer Verstopfung.

Darm und Verdauungsorgane stehen bei einer überfütterten Spinne stärker unter Druck und haben weniger Raum, um den Nahrungsbrei weiterzuleiten. Insgesamt führt die Überfütterung zu einem belasteten Organismus und macht mechanische Probleme damit wahrscheinlicher!

🐛 Chitinreiche und große Futtertiere

Die meisten gängigen Futtertiere besitzen ein hartes Exoskelett, das den Darm stärker beansprucht als weichere Nahrungsbestandteile. Heimchen oder Schaben sind zwar eine nährstoffreiche und grundsätzlich gute Futterquelle, verfügen aber über eine vergleichsweise harte Chitinhülle. Das gilt besonders für ältere Tiere. 

Während junge Spinnen meist gut mit kleineren, weichhäutigeren Futtertieren zurechtkommen, ist bei älteren und adulten Tieren größere und harte Beute meist nicht zu umgehen. Für gesunde, kräftige Spinnen stellt dies in der Regel auch kein Problem dar.

Aber es ist gut zu wissen, dass Chitin als schwer verdaulich gilt: Die Spinne kann es nicht enzymatisch aufspalten und es lässt ihre Verdauungsorgane auf Hochtouren arbeiten, vor allem in mechanischer Hinsicht. 

Du sollst deiner Spinne keinesfalls wichtige Nährstoffe vorenthalten oder sie mit ungeeignetem Futter versorgen. Stattdessen sollte das Ziel sein, die Verdauung bestmöglich zu unterstützen. Eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung kann helfen, die Darmppassage der unverdaulichen Reste zu erleichtern.  

Konkret kannst du dies mit angefeuchteten Substratbereichen, einer gefüllten Wasserstelle oder dem gezielten Versorgen der Futtertiere mit frischem Obst und Gemüse erreichen. So gelangt ein Teil der Flüssigkeit nämlich indirekt auch in den Organismus der Spinne. 

☝️ Das Vorgehen, Futtertieren eine wasser- und vitaminlastige Henkersmahlzeit zu spendieren, wird auch Gut Loading (im Sinn von Nährstoffe laden) genannt.

Unabhängig davon ist es immer ratsam die Futtertiere nach dem Kauf gründlich zu prüfen und sie vor der Verfütterung mit Wasser und geeignetem Futter zu versorgen. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf Parasitenbefall oder Krankheitsanzeichen gelegt werden.

🥵 Dehydrierung

Nach den eben genannten Informationen überrascht es kaum, dass auch Flüssigkeitsmangel selbst zu den Risikofaktoren für eine gefährliche Verstopfung zählt. Die Ausscheidungen der Vogelspinnen bestehen im Wesentlichen aus unverdaulichen Nahrungsbestandteilen wie den Chitinresten, Stoffwechselabfällen und Wasser.

☝️ Anders als wir, scheiden Vogelspinnen keinen Harnstoff aus - ihren Stickstoffabfall entsorgen sie stattdessen überwiegend in Form von Guanin, der anteilig für die weisse Farbe des Kots verantwortlich ist.

Ist der Wasseranteil zu gering, verändert sich die Konsistenz des Kots: Er wird zäher und härter, haftet leichter an der Darmwand und kann dadurch insgesamt schlechter weitertransportiert werden. Im schlimmsten Fall stockt der Transport vollständig und die Reste sammeln sich im Darm. 

Wie du Anzeichen einer Dehydrierung erkennst und gegensteuern kannst, kannst du im entsprechenden Abschnitt weiter oben nachlesen. Dort findest du auch Informationen zu Prävention und möglicher Ursachen.

🥶 Zu kalte Haltungsbedingungen

Ich werde nicht müde zu betonen, dass die meisten im Hobby gepflegten Arten keinen Brutkasten benötigen, um optimal gehalten zu werden. Viel hilft viel ist beim Thema Wärme also meist keine gute Idee.

☝️ Die meisten Vogelspinnen kommen mit moderaten Temperaturen viel besser klar als mit Hitze. Umgekehrt darf es aber aus ebenso vielen Gründen auch nicht dauerhaft zu kalt sein!

Was als "zu niedrig" erachtet werden sollte, hängt natürlich von der jeweiligen Art ab und lässt sich nicht pauschal festlegen. 

Chronisch zu niedrige Temperaturen führen dazu, dass die Spinne ihre Körperfunktionen auf Sparflamme hält. Vogelspinnen sind wechselwarme Tiere und daher vollständig auf Wärmezufuhr von außen angewiesen.

Wenn du dich fürs Züchten von Vogelspinnen interessierst, bist du vielleicht schon mal über den Tipp gestolpert, männliche Vogelspinnen kälter zu halten als die Weibchen. Damit soll verhindert werden, dass die Männchen früher adult werden und die Geschlechtsreife der Weibchen nicht mehr erleben. 

Dieses Vorgehen funktioniert, weil kälter gehaltene Tiere ingesamt langsamer "arbeiten". Das betrifft Wachstum, Aktivität und natürlich auch die Verdauung.

Eine dauerhaft verlangsamte Darmtätigkeit kann dazu führen, dass unverdauliche Nahrungsreste nicht mehr zuverlässig genug weitertransportiert werden. Dass dies auf Dauer zu Problemen führen kann, liegt eigentlich auf der Hand.

💡 Prävention von Verstopfung bei Vogelspinnen

 Wie so oft gilt auch hier: Vorbeugung ist der effektivste Schutz! Trotz aller Sorgfalt, manche Geschehnisse liegen außerhalt unserer Kontrolle. 

Eine Spinne in einem optimalen Allgemeinzustand zu halten, ist jedoch bereits eine sehr starke Ausgangsbasis. Das erreichst du am Besten, indem du dich ausreichend mit den Bedürfnissen insgesamt und den innerartlichen Besonderheiten deiner Tiere auseinandersetzt. 

  • Terrarium, Einrichtung und Haltungsparameter wie Temperatur und Luftfeuchte sollten diesen Anforderungen so gut wie möglich entsprechen
  • Das Futterangebot sollte stets gut überprüft werden
  • Zugang zu Wasser sollte natürlich immer gegeben sein, bei der Gabe von großer und stark chitinhaltiger Beute ist es zusätzlich sinnvoll, auf entsprechendes Wasserangebot zu achten: Im Bedarfsfall kann deine Spinne ihren Flüssigkeitshaushalt direkt ausgleichen
  • Achte auf die Proportionen deiner Spinne und denke an die Abdomen-Carapax-Verhältnisregel

Wir können den Achtbeinern nicht jedes Risiko nehmen und auch nicht jede Unannehmlichkeit ersparen. Doch unnötiger Stress sollte ebenfalls vermieden werden!

☝️ Gestresste Tiere sind insgesamt geschwächter und damit anfälliger, sodass auch kleinere Probleme schneller kritisch werden können!

👀 Woran erkenne ich Verstopfung bei meiner Vogelspinne?

Wie bereits erwähnt ist einer der Gründe, weshalb Verstopfung bei Vogelspinnen so gefährlich ist, dass sie häufig nicht sofort als solche erkannt wird. Viele Warnsignale ähneln denen anderer Probleme oder sind sogar normal.

👀❓ Unspezifische Anzeichen

Beim regelmäßigen Kontrollblick ins Terrarium sollte auf das Erscheinungsbild, das Gangbild und das Verhalten der Spinne geachtet werden, sofern sie sichtbar ist. Mögliche, aber erst mal unspezifische Hinweise können folgende sein:

  • verringerte Aktivität bis zu Apathie
  • verändertes oder unsicheres Gangbild
  • Kauern, ungewöhnliche Körperhaltung
  • Nahrungsverweigerung

Für sich genommen sind all dieses Symptome nicht für eine Diagnose geeignet, da sie viele Ursachen haben oder normal sein können.

⚠️🤰 Veränderungen am Abdomen

Ich habe mal ein Video gesehen, in dem ein Halter sein an Verstopfung verendetes Tier geöffnet hat. Der gesamte Hinterleib war mit angestautem Kot gefüllt, das Abdomen war steinhart. 

Daher ist ein verhärtetes Abdomen auf alle Fälle ein wichtiger Hinweis; in der Praxis ist dieses Merkmal an einer lebenden Spinne allerdings schwer zu überprüfen, zumindest wenn die Verhärtung nicht optisch erkennbar ist. Denn das Abtasten der Spinne ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll und auch nicht risikofrei.

🧻 Verschmutzte Analregion - das deutlichste Warnsignal (?)

Am ehesten ist eine verschmutzte Analregion charakteristisch für eine Verstopfung. Der Darmausgang der Spinne liegt unterhalb der Spinnwarzen. Bei Verstopfung lassen sich dort häufig weiße, verkrustete Kotreste erkennen, die sich bis zu den Spinnwarzen ausbreiten können. 

Wichtig ist jedoch, dass solche Verschmutzungen nicht automatisch pathologisch sind. Ich habe Tiere, bei denen dies kurzzeitig zu finden war, die ansonsten aber ein normales Verhalten zeigten und sich innerhalb weniger Tage wieder selbst gesäubert haben; vermutlich unter anderem durch Kontakt mit dem Wassernapf.

💩🚫 Ausbleibender Kotabsatz - theoretisch hilfreich, praktisch schwierig zu prüfen

Eigentlich das offensichtlichste Merkmal, wenn man an Verstopfung denkt, aber in der Praxis ist dieses Kriterium nur schwer zu bewerten. 

Baumbewohner setzen ihren Kot oft gut sichtbar an den Scheiben ab. Bei Bodenbewohnern erfolgt das große Geschäft dagegen meist wesentlich diskreter im Substrat. Dort ist es nicht nur weniger offensichtlich, es wird auch von den Mikroorganismen relativ schnell verwertet. 

Kot einer Vogelspinne an der Scheibe des Terrariums

Verlässliche Aussagen über die normale Häufigkeit und die Abstände sind daher für viele Halter eher nicht möglich. 

📋 Zusammenfassung

Eine einzelne Beobachtung reicht in der Regel nicht aus, um eine sichere Diagnose zu stellen. Jedoch kann man die Wahrscheinlichkeit eingrenzen, wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen:

  • verschmutzte Analregion
  • in Kombination mit Apathie, Nahrungsverweigerung, Wesensveränderung
  • Hinweise auf ein auffälliges oder hartes Abdomen

 

🚨 Was tun im Ernstfall?

Wie bei den meisten gesundheitlichen Problemen in der Vogelspinnenhaltung gilt auch bei einer Verstopfung: Hilfe ist leider nie garantiert - aber Rettungsversuche sind auch nicht grundsätzlich aussichtslos. 

💧 Wasser anbieten

Die einfachste und zugleich schonendste Maßnahme ist die Bereitstellung von frischem Wasser. Ich erinnere hier an meine Beobachtung, dass meine Tiere ihre verschmutzte Analregion eventuell gezielt durch Eintauchen des Hinterleibs in den Wassernapf gesäubert haben. 

Ob sie das bewusst tun? Das kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber ein gewisser Instinkt scheint vorhanden zu sein!

Daher lohnt es sich, eine kleine Wasserschale bereitzustellen oder vorhandene Wasserstellen frisch zu befüllen. Vielleicht trägt das Nachfüllen von Wasser oder leichtes Nebeln dazu bei, dass die Spinne zur Aufnahme oder Reinigung animiert wird. 

💦 Analregion befeuchten 

Wenn du Kotreste in und um die Analregion sehen kannst, kann ein behutsames Befeuchten helfen, die getrockneten Reste aufzuweichen, um den Darmausgang freizumachen und eine Entleerung anzuregen oder zu ermöglichen.

Hierfür eignet sich ein mit warmem Wasser benetztes Wattestäbchen aus der Drogerie (ohne Parfümierung), mit dem die Verkrustung ganz vorsichtig betupft wird. 

Bei diesem Vorgehen solltest du folgendes bedenken:

  • niemals Druck auf das Abdomen ausüben
  • nicht an der Haut ziehen
  • ruhig, langsam und sehr behutsam vorgehen

Je nach Gemüt und Zustand lässt die Spinne den Vorgang mehr oder weniger passiv über sich ergehen. Vielleicht ist sie auch schon so geschwächt, dass kaum Gegenwehr erfolgt. 

🔒 Fixieren - wenn unbedingt nötig

Falls deine Spinne nicht kooperativ ist und du dir das zutraust, kannst du versuchen sie kurzzeitig zu fixieren. 

Eine bekannte Methode ist der Spinnengriff, der wohl sehr effektiv sein soll, aber eine gewisse Erfahrung und auch Größe des Tieres voraussetzt. Da ich selbst noch nie einen Spinnengriff angewandt habe und es auch nur aus Videos und der Literatur kenne, verzichte ich auf eine Anleitung. 

Eine Alternative dazu kann ein großer, weicher, sauberer und im Idealfall unbenutzter Kosmetikpinsel sein. Durch die weichen und "fluffigen" Borsten kannst du die Spinne damit für wenige Sekunden vorsichtig an der Bewegung hindern, ohne punktuellen Druck auszuüben. Toll wird die Spinne das vermutlich dennoch nicht finden; die Fixierung hält meist nicht lange an, aber das ist okay. 

☝️ Lasse die Spinne bei Gegenwehr lieber kurz wieder los und versuche es anschließend erneut, statt sie stärker zu bedrängen.

🌫️ Feuchte Umgebung

Die Feuchtigkeitsbox habe ich bereits beschrieben und sage nicht umsonst, dass sie eine wahre Rettungsbox ist. Auch hier kann sie sowohl in funktionaler als auch praktischer Hinsicht gute Dienste leisten. 

Bei bereits stark geschwächten Tieren würde ich sie ohnehin zum Einsatz bringen, um die Reinigung und das Aufweichen der Kotreste durch die Luftfeuchtigkeit zu unterstützen. 

Im Abschnitt zum Thema Häutungsprobleme habe ich auch andere Methoden beschrieben, um die Luftfeuchtigkeit für den Moment nach oben zu schrauben - auch das kann dir hier weiterhelfen!

👉 Realistische Erwartung

Keine dieser Maßnahmen garantiert einen Erfolg. Auch dann nicht, wenn es zu einer Entleerung kommt. Im Inneren des Körpers können durch den Druck des Kotstaus bereits schwere Schäden entstanden sein, die dein Tier nicht überstehen wird. 

Aber ein vorsichtiger Eingriff kann definitiv Leben retten und ist immer einen Versuch wert!

4) Schnitt- und Sturzverletzungen, Gliedmaßenverlust und Verbrennungen bei Vogelspinnen

Vorweg sei gesagt, dass niemand alles vorhersehen oder verhindern kann. Und das gilt auch für Verletzungen bei Vogelspinnen. 

Verluste durch Sturz- oder Schnittverletzungen lassen sich jedoch zu einem großen Anteil durch unkomplizierte Sicherheitsmaßnahmen und etwas Feingefühl bei der Einrichtung relativ leicht vermeiden. 

Das Heikle beginnt schon damit, dass die Risiken unterschätzt werden. Vogelspinnen wirken massiv und widerstandsfähig, sind biomechanisch aber vergleichsweise fragil. Während Baumbewohner meist einen schlankeren Körperbau besitzen und tendenziell besser an vertikale Bewegungen angepasst sind, sind große, schwere Bodenbewohner dafür deutlich weniger ausgelegt. 

☝️ Baumbewohner sind evolutionär stärker auf vertikale Fortbewegung ausgelegt und haben einen schlankeren und meist leichteren Körperbau, längere Beine im Verhältnis zum Körper und eine bessere Haftfähigkeit an den Tarsen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich nicht verletzen können oder man unachtsam sein darf! 

Unabhängig davon bedarf es weder großer Höhe noch sehr schwerer Gegenstände, um im Ernstfall lebensbedrohliche bis tödliche Schäden zu verursachen. 

Im Folgenden schauen wir uns an, wordurch Sturz- und Schnittverletzungen entstehen können, wo die größten Fallstricke in der Haltung liegen und wie sich diesen Risiken vorbeugen lässt. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Prognose, falls doch mal ein Unglück geschieht. 

🤔 Was macht Sturzverletzungen so gefährlich und wie kommt es dazu?

Als Kind habe ich einmal in einer Fernsehsendung gesehen, wie ein Verkehrspolizist mithilfe einer Wassermelone demonstrierte, welche verheerenden Folgen ein Sturz ohne Farhrradehelm haben kann. Ein Fall aus geringer Höhe genügte, um die Melone regelrecht aufplatzen zu lassen. 

Ob sich dieses Bild eins zu eins auf den menschlichen Kopf übertragen lässt, darf angezweifelt werden, aber Fakt ist: Man muss von keinem Hochhaus fallen, um schwer verletzt oder getötet zu werden.

Bei Vogelspinnen ist die Situation sogar noch prekärer. Während unser Kopf durch den Schädel zumindest teilweise geschützt ist, besitzt das Abdomen der Spinne keinerlei knöchernen Schutz. 

☝️ Das Abdomen deiner Spinne besteht im Wesentlichen aus einer dünnen, elastischen Cuticula und ist von keiner Knochenstruktur umgeben!

Acanthoscurria geniculata Vogelspinne

Hinzu kommt, dass das "Blut" der Spinne, die Hämolymphe, in einem offenen Kreislaufsystem zirkuliert und unter hydrostatischem Druck steht. Wird das Abdomen durch einen Sturz beschädigt, tritt die lebenswichtige Körperflüssigkeit unkontrolliert aus.

Ein nicht vollständig passender, aber dennoch anschaulicher Vergleich ist ein Wasserballon, der aus der Hand auf den Boden gleitet und dort zerplatzt.

Die weitaus weniger effektive Blutgerinnung bei Wirbellosen macht eine solche Verletzung noch riskanter: schon kleine Verletzungen reichen, um lebensbedrohlich zu sein!

🤕 Sonderfall Verlust von Gliedmaßen

Wenn bereits ein kleiner Riss im Abdomen die ganze Spinne in Gefahr bringen kann, dann müsste der Verlust eines ganzen Beinchens erst recht fatal sein - oder?

Tatsächlich ist genau das nicht zwangsläufig der Fall. Ob und wie gut es kompensierbar ist, hängt vor allem von der Stelle ab, an der die Abtrennung erfolgt. 

Klingt makaber? Ist aber in Wahrheit total faszinierend! 

Haut einer Vogelspinne mit sichtbaren Beinsegmenten

Ein Spinnenbein besteht aus folgenden Abschnitten: Coxa, Trochanter, Femur, Patella, Tibia, Metatarsus und Tarsus. 

Zwischen einigen dieser Segmente befinden sich anatomisch vorgegebene Autotomiestellen; das sind sozusagen Sollbruchstellen, an denen ein Bein bei starker Belastung oder Verletzung gezielt abgeworfen werden kann. 

So kann auch der Austritt der Hämoplymphe aktiv begrenzt werden. Die Öffnung verschließt sich physiologisch und verhindert somit ein Ausbluten. 

Noch im Wachstum befindliche Tiere können das verlorene Beinchen durch folgende Häutungen teilweise oder komplett ersetzen.

Das gilt zumindest theoretisch auch für adulte Weibchen, die sich in der Regel immer noch häuten, jedoch mit sehr langen Pausen dazwischen. 

Gefährlich ist die Abtrennung eines Beines dann, wenn sie durch mechanisches Reißen ohne Autotomie erfolgt. Dann ist meist mit einem Blutverlust zu rechnen, den die Spinne nicht selbst regulieren kann, was wiederum durchaus lebensbedrohlich wird

😳 Mein persönlicher Erfahrungsmoment 

Dass dieser Mechanismus wirklich existiert, das durfte ich leider selbst auf schmerzhafte Weise lernen. Nach einer Häutung entdeckte ich die Exuvie eines meiner Tiere. Die Geschlechtsbestimmung im Sinn wollte ich mir das gut erhaltene Exemplar sichern und zog mit der Pinzette daran, als die Spinne blitzschnell auftauchte und scheinbar ebenfalls an der Haut zog. 

Erst beim Herausziehen wurde mir klar, dass ich nicht die alte Haut, sondern das echte Spinnenbein erwischt hatte. Es wurde vollständig abgetrennt und zeigte sogar noch pulsierende Bewegungen. Selten hab ich mich so schuldig gefühlt! 

Zum Glück blieb meine unbedachte Aktion ohne schlimme Folgen für die Spinne. Sie lebte normal weiter und besitzt inzwischen wieder alle Gliedmaßen. Eine bittere, aber sehr lehrreiche Erfahrung! 

🦷 Sonderfall abgebrochene Cheliceren

Ebenfalls nicht direkt als Sturz- oder Schnittverletzung anzusehen, aber ähnlich problematisch sind Verletzungen an den Cheliceren. Das sind die Fangzähne der Spinne, die bei großen Tieren eine beeindruckende Länge erreichen können.

☝️ Der Biss einer Vogelspinne mag für uns Menschen nicht tödlich sein, schmerzhaft ist er aber allemal 

Die Aufgabe der Fangzähne ist das Fixieren und Töten der Beute; die Giftinjektion erfolgt durch die Giftdrüsen. Diese befinden sich in der Basis der Cheliceren. 

Das feste Gewebe der Beutetiere wird durch Verdauungsenzyme aus dem Magen verflüssigt, sodass die Spinne diese Mischung anschließend über den Schlund in den Saugmagen aufnehmen kann. 

Die Cheliceren sind also entscheidend, um die Beute fangen, halten und erlegen zu können. Ist nur ein Fangzahn verloren gegangen, etwa durch einen Bruch, soll die Spinne Berichten zufolge weiterhin in der Lage sein, Nahrung aufzunehmen. 

Sind jedoch beide Fangzähne betroffen, ist eine Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich. Wie bei den Gliedmaßen können zwar auch die Cheliceren durch folgende Häutungen regeneriert werden, bis dahin kann die Spinne jedoch nichts mehr essen. 

Erfahrungsberichte zeigen, dass betroffene Spinnen mit Rinderblut zwangsernährt werden können. Diese Berichte sind durchaus glaubwürdig, jedoch ist diese Methode sicher nicht für jeden Halter durchführbar und erfordert einiges an Erfahrung im Umgang mit den Tieren. 

Schäden an den Fangzähnen entstehen meist durch Bisse in harte Gegenstände - wie z. B. eine Futterpinzette. Die direkte Gabe des Futters von der Pinzette mag spannend sein und fühlt sich für viele Halter nach einem echten "Haustier-Moment" an, birgt jedoch genau dieses Risiko. 

Wenn möglich, ist es auf alle Fälle sicherer, das Futter vor die Spinne zu werfen, sodass ein Zusammentreffen von Fangzahn und Metall unwahrscheinlich wird. 

☝️ Manche Spinnen reagieren so schnell auf das angereichte Futter, dass der Halter es so schnell gar nicht abwerfen kann. In den meisten Fällen passiert nichts, wenn die Spinne ihr Futter direkt von der Zange nimmt. Du solltest es einfach wissen, dass dieses Risiko besteht und das Futter bei übereifrigen Tieren eventuell mit Abstand ins Terrarium werfen. 

🔥 Sonderfall Verbrennungen

Dass ein Terrarium durch zu starke Wärmelampen und direkte Sonneneinstrahlung zur tödlichen Hitzefalle werden kann, ist den meisten Haltern bewusst.

Weniger offensichtlich ist jedoch, dass auch grundsätzlich gut geeignete Wärmequellen nicht harmlos sind.

Verbrennungen entstehen, wenn Vogelspinnen direkten Kontakt mit Wärmelampen, Spotstrahlern oder ähnlichem haben. Darum gilt: 

❗Wenn eine verwendet wird, muss jede Wärmequelle entweder außerhalb des Terrariums angebracht oder durch geeignete Schutzkörbe zuverlässig gesichert sein.

Es ist außerdem immer auf einen ausreichenden Abstand zum Lebensraums der Spinne zu achten, also zum Bodengrund oder den Kletterpunkten bei Baumbewohnern, da sonst auch eine unkontrollierte Überhitzung drohen könnte.

☝️ Der gewünschte Wärmeeffekt kann sich schnell ins Gegenteil verkehren und schwere gesundheitliche Folgen bishin zum Tod haben! 

⚠️ Welche Risikofaktoren gibt es?

Die gute Nachricht ist, dass Schnitt- oder Sturzverletzungen seltener durch reines Pech verursacht werden und dass ihnen recht gut vorzubeugen ist. 

❌ Ungeeignetes Terrarium oder problematische Einrichtung

Verletzungen durch Stürze, Schnitte oder Quetschungen entstehen immer dort, wo sie überhaupt erst möglich sind. 

Bodenbewohner sind keine ausgeprägten Kletterkünstler, dennoch kommt es durchaus vor, dass sie an den Scheiben entlanglaufen. Keine Sorge, das ist nicht automatisch ein Zeichen für falsche Haltungsbedingungen.

☝️ Um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten, sollte das gesamte Terrarium konsequent auf die jeweilige Art abgestimmt sein.

Substrat ist immer ein sehr wichtiges Thema, gerade für Bodenbewohner, die teils massive Gänge anlegen und allein darum eine hohe Schicht davon benötigen.

Aber auch jene Bodenbewohner, die nicht für exzessives Graben bekannt sind, profitieren von einem stabilen, ausreichend hohen Bodengrund. Das ist nicht nur gut für ein passendes Mikroklima; es reduziert gleichzeitig den Abstand zwischen Bodengrund und Terrariendecke. Rutscht das Tier dann doch mal an der Scheibe ab, ist die Fallhöhe auch gleich geringer.

👉 Prävention fängt schon bei der Wahl des Terrariums an! 

Das Layout deines Bodenbewohner Terrariums sollte eine für die aktuelle Größe der Spinne passende Grundfläche haben und hoch genug sein, um die nötige Substratmenge aufnehmen zu können.

Nach oben sollte ausreichend Platz bleiben, sodass z. B. eine Korkröhre oder andere Versteckmöglichkeiten problemlos platziert werden können und die Bodenschicht nicht direkt bis unter die Decke reicht. Das ist für ein klassisches Bodenbewohner Setting aus verschiedenen Gründen unpraktisch, außerdem ist ein gewisser Luftraum für Zirkulation und Mikroklima ebenso wichtig.   

☝️ Im Grunde gibt es darüber hinaus kein "zu viel" an Substrat, aber es gibt Spinnen, die tiefe Schichten einfach nicht nutzen.

Ob und wie intensiv deine Spinne gräbt hängt wie das Einspinnen des Terrariums primär von der gehaltenen Art ab. Allerdings habe ich auch Tiere im Bestand, die als wenig grabfreudig gelten und trotzdem überraschend aktiv "da unten" sind. 

Bei sehr hohen Terrarien gilt jedoch selbst für Arten mit geringerem Substratbedarf, dass der Abstand zwischen Bodengrund und Decke nicht zu groß sein sollte.

Als grober Richtwert kann eine Substrathöhe von etwa zwei Dritteln der Gesamthöhe dienen, sodass ungefähr ein Drittel nach oben frei bleibt. Auf diese Weise wird die Fallhöhe vertretbar reduziert, ohne die Einrichtungsmöglichkeiten einzuschränken. 

☝️ Grabfreudige Tiere und jene mit hohem Subtratbedürfnis benötigen dann natürlich ein entsprechend hoch gewähltes Terrarium.  

Bei Happy Spiderling findest du viele verschiedene Modelle, die für die jeweiligen Bedürfnisse ausgelegt sind. Schau dich gerne um und finde das passende Terrarium für dich!

👉 Sicherheitsmaßnahmen beim Einrichten können entscheidend sein!

Die Einrichtung sollte nicht nur optisch ansprechend sein. Das Hauptkriterium ist die Sicherheit für deine Spinne. Dabei geht es nicht nur darum auf messerscharfe Kanten zu achten: harte Gegenstände wie Steine, spitze Dekoelemente oder ungeschützte Ecken können gefährlich werden und das gilt natürlich auch für Baumbewohner.

Besonders relevant wird das, wenn die Spinne von oben darauf fällt oder sich darunter hindruchgräbt. Schwere Objekte können dabei absacken, durchbrechen und das Tier einklemmen. 

Auch Spalten zwischen Einrichtungsgegenständen oder den Scheiben können zu einer tödlichen Falle werden, wenn die Spinnen dazwischen geraten und sich an den Kanten oder Rändern schneiden oder dazwischen einquetschen.

Du musst dennoch nicht auf alles verzichten, was die gefällt. Sorgfältig platzierte Steine und andere Elemente, die stabil im Substrat verankert sind, können z. B. durchaus Teil einer sicheren und naturnahen Einrichtung sein. 

😵 Überfütterung

Kommt uns das nicht direkt bekannt vor? Ich glaube wir sind in diesem Arikel bereits ein, zweimal darüber gestolpert. Scheint also echt wichtig zu sein und das ist es auch. 

Ein übermäßig großes und prall gefülltes Abdomen ist allein schon mechanisch stärker gefährdet und weist eine geringere Toleranz gegenüber Belastungen auf. Bewegt sich deine Spinne aufwärts, wird sie von ihrem Eigengewicht dann stärker nach unten gezogen. 

Fällt deine Spinne, ist sie in diesem Zustand also auch schlechter in der Lage, die Aufprallsenergie abzufedern.

Bei Überfütterung nimmt nicht nur das Volumen des Abdomens zu, auch die umgebende Cuticula steht unter höherer Spannung, die Dehnungsreserve ist geringer, das Gewebe insgesamt weniger flexibel. Einwirkende Kräfte durch Stöße, Reibung oder Aufprall werden somit direkter auf die Abdomenwand übertragen. 

☝️ In Kombination mit Stürzen, harten Einrichtungsgegenständen oder ungünstiger Fallhöhe entsteht so eine besonders riskante Mischung. 

Sich an die Carapax-Abdomen-Verhältnis-Regel zu halten, ist immer eine gute Idee. Je nach Quelle besagt diese, dass das Abdomen maximal 1,5-2x so groß wie der Carapax sein darf. Der sichere Orientierungswert ist aber auf alle Fälle bei 1,5x anzusehen. 

Werte im Bereich der annähernd (!) doppelten Carapaxgröße können kurzzeitig, etwa nach einer sehr ausgiebigen Fütterung, auf jeden Fall mal vorkommen und sind nicht immer gleich ungesund oder zu vermeiden. In vielen Fällen reduziert sich das Volumen auch in den Tagen danach wieder.

Wichtig ist aber, dass ein so stark gefülltes Abdomen kein Dauerzustand sein sollte. Spinnen sind nach einem Festmahl häufig träger und reduzieren ihre Aktivität, schonen sich also damit auch. Dennoch besteht das mechanische Risiko und es sollte auf alle Maßnahmen geachtet werden. 

❌ Defekte Terrarienöffnung - Fluchtgefahr und Verletzungsrisiko in einem

Jede potenzielle Ausbruchsmöglichkeit ist gleichzeitig auch ein Verletzungsrisiko. Terrarien stehen meist auf einer höheren Ebene, sodass ein Sturz aus größerer Höhe die Folge sein kann. 

Besonders kritisch sind dabei Frontöffnungen mit nach unten klappender Scheibe. Ist der Verschlussmechanismus defekt oder für das Gewicht des Tieres nicht stark genug, kann die Spinne durch ihr eigenes Körpergewicht das Öffnen der Klappe auslösen, wenn sie über die Scheibe krabbelt. 

Das plötzliche Herunterfallen der Terrarientür entlässt nicht nur die Spinne in die Freiheit, es kann auch dafür sorgen, dass das Tier den Halt verliert und abstürzt oder irgendwie fies eingeklemmt wird. 

☝️ Ein regelmäßiger Check von Scharnieren, Magneten und Verschlüssen ist daher eine gute Vorsorgemaßnahme.

✋ Handling

Niemand weiß und versteht besser als ich, wie faszinierend das sein kann, die eigenen Tiere über die Hand laufen zu lassen. Unter absolut kontrollierten Bedingungen und mit entsprechend ruhigen Individuen mag das in Ausnahmefällen auch vertretbar sein.

Dennoch sprechen zahlreiche Gründe gegen regelmäßiges Handling. Einer der wichtigsten ist das Verletzungsrisiko. Besonders im aufrechten Stand ist die Fallhöhe enorm. 

Selbst ruhige Spinnen können plötzlich erschrecken, lossprinten oder sich reflexartig fallen lassen. Ein einzelner Moment der Unachtsamkeit kann also bereits fatale Folgen haben. 

🕸️ Gaze an Deckel oder Scheiben

Obwohl ich Terrarienbauer bin, liebe ich die gängigen Braplast-Dosen und nutze sie regelmäßig als Aufzuchtboxen. Bei den meisten von ihnen befindet sich luftdurchlässige Gaze zumindest im Deckel.

Fuß einer Vogelspinne mit TarsusDas hat viele Vorteile und in den meisten Fällen ist es auch kein Problem. Aber die Beschaffenheit der Spinnenfüßchen kann bei einem gewissen Risikofaktor tatsächlich eine Rolle spielen.

An den Enden der Tarsen, also dem letzten Segment des Spinnenbeinchens, befinden sich neben den Haftpolstern auch zwei kleine Krallen. Diese Strukturen ermöglichen es der Spinne auch an glatten Oberflächen Halt zu finden. 

Genau diese Eigenschaft kann ihnen aber an der Gaze zum Verhängnis werden.

Bleiben die Krallen in dem engmaschigen Gitter hängen, kommt das Tier meist weder vor noch zurück. Geschieht das Ganze an der Decke, wird die Spinne auch noch durch ihr eigenes Gewicht nach unten gezogen. Neben dem unmittelbaren Verletzungsrisiko ist die Spinne in dieser Situation fluchtunfähig.

Wird sie nun erschreckt, z. B. weil du den Deckel öffnen willst, kann panisches Zappeln zu schweren Verletzungen bis zur Amputation ganzer Gliedmaßen führen.

💡 Prävention

Sturz- und Schnittverletzungen zählen zu den weitgehend vermeidbaren Unfällen in der Haltung. Gleichzeitig sind die Folgen häufig schwer oder gar nicht mehr zu behandeln. Das gilt insbesondere für Verletzungen am Abdomen. 

☝️ Weil Wunden durch Stürze oft tödlich enden, ist eine Vorbeugung umso wichtiger. Zum Glück lässt sich hier wirklich viel präventiv verhindern - aber alles kann man natürlich nie vorhersehen!

Eine erste und meist sehr wirksame Maßnahme ist das Terrarium selbst: Das gesamte Setting sollte konsequnt an die darin gehaltene Art angepasst sein.

Dazu gehören ausreichende Substrathöhe, stabile Einrichtungsgegenstände ohne scharfe Kanten und die sorgfältige Platzierung von Elementen, sodass diese weder absacken noch die Spinne anderweitig einklemmen können. 

 Auch technische Aspekte sollten weitsichtig geplant und kontrolliert werden: Türen, Scharniere, Verschlüsse und Wärmequellen müssen auf ihre Funktion und Sicherheit überprüft werden, sodass die Spinne sich nicht befreien, einklemmen, vom Regal fallen oder verbrennen kann. 

Handling ist ohnehin ein Aspekt, der nur unserem Nutzen dient und für die Spinne keinerlei Mehrwert bietet, dafür umso mehr Risiken. Es sollte also immer in gesicherter Umgebung und aus möglichst geringer Höhe heraus durchgeführt werden. 

Außerdem senkt es bereits das Risiko, wenn die Spinne moderat gefüttert wird und nicht zu dick wird. 

Gaze ist eine super Sache, kann jedoch mit der spezifischen Beschaffenheit der Spinnenfüßchen tricky werden. Ein Auge darauf haben genügt in den meisten Fällen völlig!

👀 Woran erkenne ich Verletzungen bei meiner Vogelspinne?

Diese Frage mag dir auf den ersten Blick vielleicht ein wenig albern vorkommen, sie hat aber ihre Berechtigung, da auch vermeintlich schnell zu erkennende Verletzungen wie Risse im Abdomen nicht unbedingt sofort als solche zu identifizieren sind.

🤔 Warum ist das aber nicht so eindeutig, wie man zunächst annehmen würde?

🩸 Blut der Spinne

Wenn ich sage, dass das Abdomen der Vogelspinne vergleichsweise leicht reißen oder sogar platzen kann, denkt man vermutlich an ein regelrechtes Schlachtfeld. Dem ist aber nicht wirklich so und das liegt zum einen daran, dass die Spinnen kein rotes Blut haben. 

Die Hämolymphe ist meist klar bis milchig trüb. Außerdem sickert die Flüssigkeit nach einem Aufprall auch schnell in den Untergrund, sodass eventuell, je nachdem, wo der Sturz stattgefunden hat, gar nichts verdächtiges zu sehen ist. 

Einem YouTuber ist in einer Sekunde der Unachtsamkeit ein Fehler unterlaufen, bei dem eine Spinne aus ihrem Terrarium auf den Fließenboden fiel. Obwohl das Tier nicht gerettet werden konnte und letztlich an seinen Verletzungen verstarb, war auf dem Boden nichts als ein kleiner nasser Fleck. Nichts, was auf die Schwere der Wunde hingedeutet hätte.

☝️ Wenn du das Terrarium nach einem blutverschmierten Tatort absuchst, wirst du wahrscheinlich nicht fündig werden. 

🔍 Verletzungen können unter den Haaren verborgen liegen

Zum Glück habe ich bisher alle meine Tiere, die ich meist auf dem Versandweg bekomme, bis auf zwei Ausnahmen lebend und munter erhalten. 

In einem Fall war ein Kleines sichtbar verletzt, aus welchen Gründen auch immer war das Abdomen beschädigt. Die Stelle, an der die Haut auseinanderhing und aus der Flüssigkeit austrat, war sehr gut zu erkennen.

Dabei handelte es sich um einen jungen Spiderling, der noch das typische grau-rosa Erscheinungsbild hatte. Das kleine Mäuschen hat es nicht überlebt 😔

Bei größeren und stärker gefärbten Tieren, die sich außerdem auch noch in ihrem Versteck oder zwischen der Einrichtung aufhalten, muss das nicht so deutlich zu sehen sein. Das Substrat kann austretende Flüssigkeit kaschieren und die Tiere zeigen sich nicht offen. 

Wenn die Wunde nicht unbedingt gravierend groß ist, kann das leicht übersehen werden.

❌ Verhalten ist unspezifisch oder die Spinne zieht sich vollständig zurück

Wir haben es schon an anderer Stelle besprochen, dass viele beobachtbare Symtome nicht spezifisch für eine bestimmte Sache sind. So ähnelt sich das Verhalten bei geschwächten Spinnen meist erst mal, unabhängig von der zugrundeliegenden Ursache. 

Verletzungen durch Risse oder Quetschungen können natürlich so schlimm und akut sein, dass das Tier direkt offensichtlich ein Notfall ist und sterbend oder sich windend im Terrarium liegt. 

Es gibt aber auch die Fälle, in denen dir die Spinne wieder nur durch ein unrundes Gangbild, Kauern und reduzierte Reaktion auffällt oder die Spinne schleppt sich zurück in ihre Höhle und du bemerkst gar nicht, dass überhaupt was nicht passt. 

👉 Worauf kann ich als Halter achten?

Wenn nicht gerade ein Bein ausgerissen wurde, das neben der Spinne liegt, bleibt es bei Feststellung, dass etwas nicht okay ist, rational und Stück für Stück vorzugehen. 

Entdeckst du austretende Flüssigkeit am Abdomen, zwischen den Gelenken oder sonst wo am Körper, ist das besonders im Zusammenspiel mit anderen Symptomen ein wahrscheinlicher Hinweis. Vielleicht entdeckst du bei genauerer Prüfung auch wirklich die Wunde selbst.

Ansonsten kannst du auch das Terrarium selbst prüfen und schauen, ob du einen Hinweis findest. Nasse Stellen, trübe Flüssigkeit oder Gewebereste könnten dich auf die richtige Fährte bringen.

🚨 Was tun im Ernstfall?

Dass hier, wie fast immer, Prävention alles ist, wurde bestimmt deutlich. Dennoch kann ja leider immer mal was schiefgehen, egal wie gut du aufpasst. 

Die bittere Wahrheit ist, Verletzungen wie diese kommen mit einer wirklich schlechten Prognose daher, doch einen Versuch, das Leben der geliebten Spinne zu retten, ist es immer wert. 

🕸️ Sonderfall: Spinne hängt in der Gaze fest

Baumelt deine Spinne hilflos von der Decke oder steckt dort fest und kommt nicht mehr weiter, haben sich vermutlich die Krallen an den Tarsen im Lüftungsgitter verhakt. In dieser Situation sollte vor allem ruhig gehandelt werden. 

Bei einer feststeckenden Spinne, die an der Decke steht, kann zunächst durch sanftes Streichen oder leichtes Anheben von außen versucht werden das betroffene Beinchen zu lösen.

Als Hilfsmittel kann ein Pinsel wieder mal gute Dienste leisten, mit den bloßen Händen ist Vorsicht geboten: Die Fangzähne kommen problemlos durch Gaze und die Spinne kann bei Berührung in Panik geraten und zubeißen. 

Hilft das nicht oder die Spinne hängt bereits von der Decke, weil sie den Halt verloren hat, ist es sinnvoll ihr zunächst wieder festen Untergrund zu verschaffen. Dazu kannst du den Deckel vorsichtig abnehmen und umdrehen; sodass die Spinne darauf steht. Mit etwas Glück kommt sie dann von selbst wieder frei. 

Du kannst aber auch einen flachen, stabilen Gegenstand wie ein Buch unter die Spinne halten, das hat den Vorteil, dass du dazu den Deckel ggf. nicht vollständig abnehmen musst.

☝️ Oft lösen sich die Krallen bereits, wenn das Bein oder der Körper leicht angehoben werden

Wichtig ist, hektische Bewegungen und Stress zu vermeiden. Panik kann dazu führen, dass sich die Spinne Gliedmaßen abtrennt, im ungünstigsten Fall an Stellen ohne Autotomie, schwere Verletzungen können die Folge sein.

Berichte über notwendige Amputationen gibt es, scheinen aber große Ausnahmen zu sein. Bei mir haben sich alle betroffenen Tiere durch festen Stand wieder gelöst

🩹 Offene Wunden verschließen 

Ist der Worst Case eingetreten und deine Spinne hat eine offene Wunde, ist der Blutverlust Priorität: Dieser muss möglichst schnell gestoppt werden.

Ich kann hier nicht aus Eigenerfahrung berichten, sondern nenne gängige Methoden, die in Literatur und einschlägigen Foren immer wieder beschrieben werden.

Im Wesentlichen soll es zwei "Zaubermittel" geben, die bereits erfolgreich angewendet worden sein sollen:

  • Stärke, z. B. Maisstärke - trocken oder als Paste aufgetragen
  • Sekundenkleber - punktuell zum Verschließen der Wunde
🌽 Stärke

Die Stärke hat eine rein mechanische Wirkung und kann durch ihre Beschaffenheit austretende Hämolymphe binden. Diese Mischung trocknet an, versiegelt die Wundränder und wirkt dann wie eine schützende Kruste oberhalb der Wunde. 

Geeignet sind neben Mais- auch Kartoffel- und Reisstärke, wichtig ist nur, dass es sich um möglichst reine Stärkequellen handelt. Zusätze wie Backtriebmittel oder Aromen sollten vielleicht besser nicht enthalten sein. 

In den Quellen steht oft Maisstärke an erster Stelle, vermutlich weil sie sehr fein gemahlen ist, gut haftet und leicht erhältlich.

Ein großer Vorteil der Maisstärke ist, dass sie sich nicht dauerhaft an die Cuticula bindet und sich mit der Zeit von selbst wieder abträgt. 

Manche Halter tragen die Stärke als Paste auf. Dazu wird diese mit so viel Wasser vermengt, bis eine streichfähige, aber noch ausreichend feste Konsistenz erreicht ist.

🧪 Sekundenkleber

Auch Sekundenkleber wird von manchen Haltern verwendet, um Risse zu verschließen. Warum das theoretisch funktioniert, ist klar. Aber dabei bestehen schon auch berechtigte Bedenken. Einige davon sind:

  • chemische Reaktion beim Aushärten
  • mögliche Reizung des Gewebe
  • Risiko für spätere Häutungen 

☝️ Wichtig ist: Selbst wenn die Spinne die akute Verletzung übersteht, bedeutet das nicht automatisch Entwarnung

Die betroffene Stelle bleibt strukturell geschwächt und kann insbesondere bei der nächsten Häutung erneut problematisch werden. So gibt es immer wieder Fälle; in denen sich die Wunde während folgenden Häutungen wieder öffnet oder es an dieser Stelle zu Ablösungsproblemen kommt. 

🌡️ Kühl, warm oder Feuchtigkeitsbox?

Wie wir in vorangegangenen Kapiteln gesehen haben, bewährt sich bei vielen Problemen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. 

☝️ Bei offenen Verletzungen sollte jedoch anders vorgegangen werden.

Unser Ziel ist es weniger, die Heilung zu beschleunigen, wir möchten in erster Linie den Zustand stabiliseren. Folgende Paramter haben sich bewährt: 

  • Umgebung eher trocken
  • Temperaturen moderat halten - also nicht kühl, aber auch nicht heiß
  • so wenig Stress und Bewegung wie möglich

Obgleich die Feuchtigkeitsbox ideal ist, um einer geschwächten Spinne zu Kräften zu verhelfen, so kann eine feuchte, warme Unterbringung den Stoffwechseln anregen und damit den Flüssigkeitsverlust sogar noch verstärken. Außerdem steigt das Risiko bakterieller oder pilzlicher Sekundärinfektionen an.

☝️ Bei offenen Verletzungen ist die Feuchtigkeitsbox in der Regel nicht die erste Wahl! 

💧 Zugang zu Wasser unbedingt sichern 

Auch wenn die Unterbringung eher trocken gestaltet werden sollte, sollte das Tier dennoch Zugang zu Wasser haben. 

Hierfür eignen sich je nachdem, wo sich das Tier befindet und in welcher kräftemäßigen Verfassung es ist, ein kleiner Napf oder ein leicht befeuchtetes Stückchen Zelstoff. 

☝️ So kann die Spinne bei Bedarf Wasser aufnehmen, ohne dass die Wunde selbst dauerhaft befeuchtet wird. 

🏠 Im Terrarium belassen oder herausholen?

In einem solchen Notfall gilt es Ruhe zu bewahren und das ist vor allem für die Spinne selbst wichtig. Dass sie ihre Kräfte schonen und sich nicht aufregen oder hektisch hin und herlaufen sollte, dürfte klar sein. 

Dennoch kann es nützlich sein, sie für den Zeitraum der akuten Maßnahmen aus dem Terrarium in eine stabile, saubere und kontrollierbare Umgebung zu bringen.

So kannst du die Wunde meist leichter versorgen, hast sie danach im Blick und stellst sicher, dass sie sich nicht unnötig bewegen kann oder die Wunde mit anderen Dingen in Kontakt kommt. 

Dazu kannst du einfach ein kleines, luftdurchlässiges Gefäß deiner Wahl, z. B. eine leere Heimchenbox, nehmen. 

Als Flüssigkeitsquelle eignet sich hier ein leicht mit Wasser getränktes Stück Zellstoff, z. B. ein unparfümiertes Wattepad oder Küchenpapier.

 

☝️ Aber Achtung: Wenn du auch den Untergrund mit Küchenpapier oder ähnlichem auslegen willst, könnte sich dieser schnell mit dem Wasser aus dem Pad vollsaugen und die Spinne steht im "Feuchten" - was wir ja nicht wollen! 


👉 Realistische Erwartung

So hart es klingt, aber schwere Abdomenverletzungen haben eine eher düstere Prognose, meist tritt der Tod relativ bald ein.

Aber das bedeutet nicht, dass es niemals ein Happy End geben kann. Auch in diesem Fall bleibt die Zukunft der Spinne jedoch erst mal ungewiss, insbesondere bei nachfolgenden Häutungen solltest du besonders aufmerksam sein. 

☝️ Der beste Schutz ist das Minimieren vim Risiken wie große Fallhöhe, scharfe Kanten oder ungeschützte Technik! 

5) Vergiftungen bei Vogelspinnen

Vergiftungen gehören zu den eher seltenen, aber durchaus möglichen Problemen in der Vogelspinnenhaltung. Die Ursachen dafür liegen in den meisten Fällen zumindest indirekt in unserem Einflussbereich und lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit häufig vermeiden. 

Zu Vergiftungen zähle ich in diesem Abschnitt alles, bei dem äußere Substanzen in den Organismus gelangen und dort zu gesundheitlichen Störungen führen. 

🤔 Was geschieht bei einer Vergiftung und wie kann es dazu kommen?

Schematische Darstellung eines ventralen Nervensystems bei Vogelspinnen

Spinnen besitzen ein ventrales Nervensystem mit Nervenknoten, den Ganglien, und kein Rückenmark, so wie wir.

In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich auch der restliche Körperbau von dem höher entwickelte Lebewesen, aber auch sie nutzen chemische Botenstoffe, um Signale zwischen Nervenzellen und Muskeln zu übertragen. 

Viele für Gliederfüßer giftige Substanzen, z. B. Pestizide, setzen genau an dieser Stelle an. Sie greifen in die Signalübertragung der Nervenzellen ein, indem sie beispielsweise Enzyme blockieren, Rezeptoren beeinflussen oder die elektischen Signale der Nervenzellen aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Symptomatik reicht von Zittern über Kontrollverlust über den Körper bis zum vollständigen Versagen der lebenswichtigen Funktionen, das Tier stirbt. 

⚠️ Welche Risikofaktoren gibt es?

Wir kennen es ja bereits, Heilung ist in der Welt der Wirbellosen eher schwierig, darum setzen wir Halter auf Prävention. Und beim Thema Vergiftungen gibt es durchaus einiges, was wir unter Kontrolle haben. 

☝️ Vergiftungen können nur auftreten, wenn schädliche Stoffe in deine Spinne gelangen oder um sie herum verfügbar sind. Das kann über verschiedene Wege passieren: Futtertiere, Substrat oder Rückstände an Gegenständen, die wir ins Terrarium bringen oder womit wir darin hantieren. 

🐛 Kontaminierte Futtertiere

Futtertiere sind ein wichtiger Baustein für die Gesundheit deiner Spinne. Dazu gehört auch die Ernährung deiner Futtertiere: Das Futter vom Futter sozusagen. 

Beim Gut Loading erhalten die Beutetiere vor der Darbietung besonders nährstoffreiche Nahrung, so sollen wertvolle Nährstoffe indirekt auch von der Spinne aufgenommen werden. Das gleiche Prinzip gilt leider auch für unerwünschte Stoffe.

☝️ Befinden sich Schadstoffe wie Pestizide im Futtertier, können auch diese weitergegeben werden. 

Bereits beim Kauf lohnt es sich darauf zu achten, ob dir auf den ersten Blick schon etwas Ungewöhnliches auffällt. Die Tiere sollten aktiv und vital wirken und natürlich frei von Parasiten sein.

Zuhause kannst du ihnen frisches Futter und eine Wasserquelle anbieten, damit sie sich zunächst erholen und hochwertige Nahrung aufnehmen können, bevor sie letztlich selbst zum Futter für deine Spinnen werden. 

Bei der Ernährung deiner Futtertiere solltest du gut darauf achten, dass du ihnen nur unbedenkliche und gut gereinigte Lebensmittel verfütterst. Viele Salate und andere Rohkost können stark behandelt sein.

Von der Gabe wildlebender Insekten sollte gänzlich abgesehen werden. Nicht nur, dass die Entnahme aus der Natur streng genommen nicht erlaubt ist, du kannst nie wissen, was das Tier aufgenommen oder womit es in Berührung gekommen ist. 

🌱 Kontaminiertes Substrat

Vogelspinnen sind normalerweise nicht besonders anspruchsvoll, was die Wahl des Substrats betrifft. Die meisten im Handel angebotenen Mischungen sind grabfähig, speichern Feuchtigkeit gut und ermöglichen gleichzeitig einen ausreichenden Luftaustausch im Terrarium.

☝️ Mit speziell für die Terrarienhaltung angebotenen Substratmischungen ist man in der Regel auf der sicheren Seite. 

Anders sieht es bei Blumenerde aus. Auch sie hat viele Eigenschaften, die für unser Hobby praktisch sind, aber du solltest genau studieren, was dieser Erde beigemischt wurde und im Zweifel die Finger davon lassen. Denn handelsübliche Blumenerde enthält häufig Zusätze wie 

  • Dünger
  • Pestizide
  • Fungizide
  • Wachstumsbeschleuniger

Solche Produkte sind für Zierpflanzen gedacht und nicht für die Haltung von Wirbellosen.

Wenn du die Möglichkeit hast Erde aus der Natur zu verwenden, ist das grundsätzlich möglich. Allerdings sollte diese nicht von landwirtschaftlich genutzten Flächen stammen, da diese häufig mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Auch öffentliche Grünflächen oder Wälder werden in manchen Regionen regelmäßig gespritzt. 

☝️ Am sichersten ist Erde aus dem eignen, unbelasteten Grundstück oder von Flächen, bei denen du eine Behandlung zuverlässig ausschließen kannst. All das gilt natürlich auch für alle anderen Elemente aus der Natur: Holzstücke, Laub oder Moos etc. 

Erde aus der Natur: Steril oder naturbelassen?

Manchmal liest man davon, dass die gesammelte Erde vor dem Einsatz im Terrarium im Backofen oder Gefrierschrank sterilisiert werden sollte.

Das ist jedoch nur bedingt sinnvoll. Viele Mikroorganismen sind erstaunlich widerstandsfähig und überstehen solche Behandlungen.

Außerdem sind nicht alle Lebewesen im Substrat unerwünscht oder schädlich: Das Substrat grundsätzlich mit einer Bodenpolizei anzuimpfen bietet einen enormen Mehrwert. 

Stattdessen kannst du auch einfach die Erde eine Weile auf einer Plane ausgebreitet in der Sonne liegen lassen. Unerwünschte Mitbewohner suchen dann meist freiwillig das Weite. 

🧽 Reinigungsmittel im Terrarium 

Die Vogelspinnenhaltung ist grundsätzlich sehr genügsam und auch mit der Reinigung wirst du normalerweise nicht viel zu tun haben. Gelegentlich die Scheiben putzen, insbesondere wenn dein Tier die Neigung hat sein Geschäft demonstrativ dort zu platzieren, gehört aber vermutlich dennoch dazu.  

Für den Innenbereich deines Terrariums gilt: Warmes Wasser und ein sauberer Lappen genügen vollkommen. Reinigungs- oder Desinfektionsmittel sollten vermieden werden, auch dann, wenn sie mit Attributen wie "biologisch abbaubar", "natürlich" oder "BIO zertifiziert" versehen sind. Du brauchst sie auch schlicht und ergreifend nicht!

☝️ So lange ein Produkt nicht ausdrücklich für die Terrarienhaltung geeignet ist, gehört es besser nicht hinein! 

Bei der Reinigung von außen musst du bedenken, dass die verwendeten Produkte über die Lüftungslöcher ins Innere gelangen können. Auch hier genügt meist Wasser und ein Tuch. Mit einem Mikrofasertuch kannst du die Scheiben ganz ohne Sprühzeug wieder auf Hochglanz polieren und bist gleichzeitig ganz auf der sicheren Seite. 

Alles, was direkt oder indirekt mit deiner Spinne, ihrem Zuhause oder ihrem Futter in Kontakt kommt, z. B. Wasserschalen, Futterpinzetten etc. hat die gleiche Vorsicht verdient. Seifenrückstände müssen vollständig mit klarem Wasser abgespült werden und idealerweise verwendest du separate Handtücher zum Trocken rubbeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sprühflasche, die viele Halter zum Befeuchten des Substrats verwenden. Solche Flaschen, die gießen und nebeln können, stammen häufig ursprünglich aus anderen Bereichen, z. B. dem Automobilbedarf. 

☝️ Achte unbedingt darauf, dass deine Flasche nie zuvor mit Reinigungsmitteln oder Chemikalien befüllt war. Am sichersten ist es, Sprühflaschen auschließlich für die Terrarienhaltung zu kaufen und dann auch nur dafür zu verwenden. 

🐶 Pestizide anderer Haustiere

Giftige Substanz für Vogelspinnen vor einem Regal mit Happy Spiderling Terrarien

Wer neben Vogelspinnen auch andere Haustiere hält, behandelt diese möglicherweise gelegentlich gegen Parasiten wie Flöhe oder Zecken. Solche Präparate gibt es in Form von Tabletten, Spon-Ons, Shampoos, Halsbändern oder Sprays. Bei richtiger Anwendung sind sie für unsere Vierbeiner sicher und erfüllen eine wichtige Schutzfunktion. 

Viele dieser Wirkstoffe sind jedoch gezielt darauf ausgelegt, Gliederfüßer abzutöten. Was für Floh und Zecke also erwünscht ist, kann theoretisch auch unsere Spinnen erwischen. 

Besonders bei sogenannten Spot-On-Präparaten wird der Wirkstoff auf die Haut des Tieres aufgetragen und verteilt sich anschließend über den natürlichen Fettfilm des Fells auf dem gesamten Hund. Bei Hautkontakt, wie beim Streicheln, können also kleine Mengen an den Händen haften bleiben. 

☝️ Weil ich meine Hunde sehr oft anfasse, wasche ich mir grundsätzlich die Hände, bevor ich an die Terrarien gehe oder etwas anfasse, womit die Spinnen in Kontakt kommen. 

Sprays sollten natürlich niemals im Terrarienimmer angewandt werden, sondern möglichst im Freien, weit weg von den Spinnen. 

Die bloße Anwesenheit behandelter Haustiere im Terrarienzimmer stellt normalerweise kein Prolem dar, solange ein normaler Abstand zwischen den Lebewesen gewahrt bleibt. 

🚬 Nikotin und Duftstoffe

Dass der Konsum von Zigaretten für uns Menschen mehr als ungesund ist, ist allgemein bekannt. Aber auch für die Spinnen können Zigarettenrauch so wie Duftkerzen, Räucherstäbchen, ätherische Öle und Raumduftsprays unangenehm oder sogar schädlich sein. 

Solche Produkte geben eine Vielzahl an chemischer Stoffen an die Luft ab, wo sie sich im Raum verteilen und auf diesem Weg natürlich auch über die Lüftungslöcher in die Terrarien gelangen können. 

Bedenkt man, dass Vogelspinnen ihre Umgebung stark über solche, also chemische und mechanische, Reize wahrnehmen, ist es durchaus denkbar, dass entsprechende Substanzen ihre Physiologie reizen oder Stressreaktionen auslösen können. 

☝️ Nikotin als Neurotoxin wurde einst sogar als Insektizid zum Einsatz gebracht

Wer schon einmal geschlossene Räume betreten hat, in denen über längere Zeit geraucht wurde, kennt außerdem die typischen gelblichen Rückstände an Wänden und Möbeln. Befinden sich in einem solchen Raum Terrarien und Zubehör, können sich auch dort mit der Zeit entsprechende Ablagerungen bilden. Hier ist eine regelmäßige Reinigung der Oberflächen besonders wichtig.  

Viele Raucher berichten zwar, keine Auffälligkeiten durch Tabakkonsum im Terrarienzimmer zu beobachten, aber ein gewisses Risiko besteht. Auch ich habe früher, als ich noch Raucher war, in meinem Büro geraucht, in dem die Tiere stehen. Auffällige Verluste oder Probleme konnte ich keine feststellen - Was nicht bedeutet, dass es für die Tiere schadlos war. 

☝️ Und für sonstige Raumsprays gilt: Was stark parfümiert ist oder gar Insketen abschrecken soll, hat in der Nähe von Terrarien nichts verloren. 

💡 Prävention von Vergiftungen bei Vogelspinnen

Um Vergiftungen möglichst zu vermeiden, solltest du ausschließlich Materialien verwenden, deren Unbedenklichkeit du sicher einschätzen kannst.

Experimente mit neuen Futtermitteln oder Substraten sollten niemals arglos erfolgen.

Alles, was mit deiner Spinne, ihrem Terrarium, dem Zubehör oder den Futtertieren in Berührung kommt, sollte mit entsprechender Vorsicht bedacht werden. Wenn du nicht genau weißt, was ein Produkt enthält oder woher es stammt, gehört es im Zweifel nicht ins Terrarium.

☝️ Das gilt besonders für Substrat und Futtertiere, da hier am häufigsten unerwünschte Stoffe eingeschleppt werden können.

In den vorherigen Abschnitten zu den Risikofaktoren werden die einzelnen Punkte und mögliche Alternativen noch einmal genauer erläutert.

👀 Woran erkenne ich eine Vergiftung bei Vogelspinnen?

Die Bandbreite möglicher Symptome ist relativ groß und diese können sehr unspezifisch ausfallen. So können die Tiere apathisch, orientierungslos und allgemein geschwächt erscheinen, wie es aber auch bei anderen Notfällen auftreten kann. 

Eindeutiger sind neurologische Symptome, dazu zählen z. B.

  • Zittern
  • unkontrollierte Zuckungen des Körpers
  • Koordinationsstörungen 
  • Verlust der Bewegungskoordination

Symptome wie diese nicht komplett spezifisch, deuten aber darauf hin, dass das Nervensystem der Spinne beeinträchtigt ist. 

🔍 Wie grenze ich die Quelle einer Vergiftung ein? 

Gerade wenn du mehrere Tiere hältst, ist es wichtig herauszufinden, was den Zustand ausgelöst haben könnte, damit weitere Tiere nicht ebenfalls betroffen sind.

Ist die Ursache nicht sofort offensichtlich, bleibt meist nur das Ausschlussverfahren. Betrachte dabei das betroffene Tier und überlege, womit es in letzter Zeit in Kontakt gekommen ist.

Fragen, die du dir stellen kannst:

  • Wurde kürzlich neues Substrat eingebracht?
  • Wurde das Tier vor kurzem gefüttert?
  • Womit wurden die Futtertiere selbst gefüttert?
  • Wurde neues Zubehör verwendet oder gereinigt?

Alles, was möglicherweise mit der Ursache in Zusammenhang stehen könnte, sollte vorsichtshalber nicht mehr bei anderen Tieren verwendet werden, zumindest bis eine sichere Einschätzung möglich ist.

Sind mehrere Tiere gleichzeitig betroffen, kann das ein wichtiger Hinweis sein. Auch wenn die Situation dadurch tragischer wird, spricht dies oft dafür, dass eine äußere Ursache vorliegt.

Wenn zum Beispiel alle betroffenen Tiere kürzlich gefüttert wurden, während andere Tiere noch keine Nahrung erhalten haben, solltest du die Futtertiere, deren Futter und verwendete Werkzeuge wie die Pinzette sofort aus dem Verkehr ziehen und kritisch prüfen.

☝️ Im Zweifel ist es besser, mögliche Quellen vorübergehend nicht mehr zu verwenden, bis die Situation geklärt ist.

🚨 Was tun im Ernstfall?

Leider gibt es keine mir bekannte Behandlungsmethode, mit denen eine ernsthafte Vergiftung bei Vogelspinnen gezielt therapiert werden kann.

Die wichtigsten Maßnahmen bestehen daher vor allem darin, weitere Belastungen zu vermeiden:

  • Zugang zu frischem Wasser sicherstellen
  • bei Verdacht auf kontaminiertes Substrat oder Vergiftung durch Reinigungsmittelm im Terrarium Tier aus dem Terrarium entnehmen
  • eine saubere Quarantänebox mit Küchenpapier als Bodengrund verwenden
  • ruhiger Standort bei moderater Temperatur
  • lieber trockene Umgebung statt Feuchtigkeitsbox

Die allerwichtigste Notfallmaßnahme bleibt die Prävention weiterer Notfälle anderer Tiere. So lange die Ursache ungeklärt ist, sollte nichts, womit die vergifteten Tiere in Kontakt kamen, für die nicht betroffenen Tiere verwendet werden. 

👉 Realistische Erwartung

Je nach Art und Menge der aufgenommenen Substanzen wird eine Vergiftung leider wahrscheinlich tödlich verlaufen. 

In manchen Fällen erholen sich die Tiere jedoch wieder, wenn die Belastungsquelle schnell entfernt wird.

Eine Heilung durch Medizin existiert meines Wissens nach nicht. Daher ist es am wichtigsten, bestenfalls erst gar keine Vergiftung entstehen zu lassen oder zumindest zu verhindern, dass weitere Tiere ebenfalls davon betroffen sind. 

6) Parasitenbefall und Pilzinfektionen

Gelbtafel vor einem Terrarium

So schlimm viele denkbare Notfälle auch sein mögen; ich glaube jedem Vogelspinnenhalter schnürt es die Kehle zu, wenn er an Parasiten denkt.

Horrorstorys von Spinnen, denen Maden aus dem Mundfeld krabbeln und die scheinbar von innen heraus aufgefressen werden, sind leider keine reinen Schauermärchen.

Doch wie wahrscheinlich ist es tatsächlich, dass die eigene Spinne von Parasiten befallen wird? Kann man vorbeugend etwas tun und sind wirklich alle Milben, Mücken oder Würmchen automatisch brandgefährlich?

Diesen Fragen gehen wir nun auf den Grund und lernen auch die wirklichen Übeltäter kennen, vor denen man sich in der Terrarienhaltung tatsächlich in Acht nehmen sollte.

🤔 Welche Parasiten gibt es und sind wirklich alle davon gefährlich? 

Es ist verständlich, dass sämtliche Lebewesen außer der Spinne und ggf. einem Futtertier im Terrarium für uns Halter unbehaglich sind. Aber nicht alle Lebewesen sind grundsätzlich gefährlich. Einige sind sogar nicht nur harmlos, sie erfüllen auch noch wichtige Aufgaben im Terrarium. 

☝️ Viele Organismen gehören zu einem funktionierenden Mikroökosystem dazu!

Während du dich also meist entspannt zurücklehnen kannst, gibt es dann leider doch Parasiten, die wir nicht ignorieren dürfen. Zum besseren Verständnis kannst du dich an einer Art Ampelsystem orientieren:

  • 🟢 Grün: Nützliche Helfer
  • 🟡 Gelb:  lästig, aber meist harmlos
  • 🔴 Rot: tatsächlich gefährlich

🟢 Grün - Nützliche Helfer und Bodenpolizei

Diese Organismen sind im Terrarium ausdrücklich erwünscht. Indem sie dabei helfen organisches Material abzubauen, verhindern sie, dass sich Futterreste, Schimmel oder andere Abfälle ansammeln können. 

Typische Vertreter, die du auch häufig unter dem Stichwort "Bodenpolizei" in Terraristikshops im Angebot findest, sind folgende:

  • Springschwänze
  • Weiße Asseln
  • Tropische Asseln
  • kleine Detritusmilben
  • eventuell Enchyträen; kleine weiße Würmchen - nicht mit Nematoden verwechseln!

Ihre wichtigsten Funktionen sind der Abbau von Futterresten sowie die Verwertung von Kot und abgestorbenem Material. Damit tragen sie ebenfalls zur Reduktion von Schimmelbildung bei und helfen dem kleinen Ökosystem im Terrarium dabei, stabil zu bleiben. 

Sollte die Population mal merklich anwachsen, ist das ein Hinweis darauf, dass das "Angebot" reichhaltig ist und die Umgebung feucht. Eventuell kannst du dann die Parameter prüfen und generell auf starke Verunreinigungen achten.

Eine direkte Gefahr stellen die Tiere für deine Spinne nicht dar und meist reguliert sich die Population von selbst wieder, wenn die Nahrungsquelle schwindet. 

🟡 Gelb - lästig, aber meist harmlos

Im Gegensatz zu unseren eifrigen Helfern sind diese Organismen nicht erwünscht, aber sie sind im Normalfall auch keine direkte Gefahr für die Spinne.

  • Trauermücken
  • Fruchtfliegen
  • Stuben- und Aasfliegen

Vielleicht sind dir gerade die berüchtigten Trauermücken ein Begriff und hast schon viel Schlechtes über sie gehört. Auch ich dachte lange Zeit, dass sie ungeheuer gefährlich sind, bei näherer Recherche stellte sich jedoch heraus, dass sie für Vogelspinnen fast immer harmlos sind.  

☝️ Trauermückenlarven fressen im schlimmsten Fall an offenen Wunden oder an toten Tieren. Gesunde, lebende Tiere werden nicht routinemäßig "überfallen" und besetzt. Jedenfalls nicht von Trauermücken. 

Ein Auftreten von Trauermücken ist in erster Linie für den Halter lästig. Ebenso deutet es aber auf gewisse Bedingungen im Terrarium hin: relativ hohe Feuchtigkeit, viel organisches Material, Pilze oder abgestorbene Pflanzenteile im Substrat. 

Diese Bedingungen sind nicht unmittelbar gefährlich, sollten aber dennoch überprüft und ggf. angepasst werden. Insbesondere dann, wenn deine Spinne andere Haltungsparameter benötigt. Langfristig kann ein solches Milieu nämlich Verpilzungen und andere Probleme im Terrarium begünstigen.  

Gegen ein Überangebot an organischem Material hilft wiederum das Animpfen des Substrats mit Organismen der sogenannten Bodenpolizei, die organische Reste abbauen.

Außerhalb (!) des Terrariums können außerdem Gelbtafeln helfen, die erwachsenen Fliegen zu reduzieren.

Bei stärkerem Befall lohnt sich auch der Einsatz bestimmter Nematoden, die für die Spinne ungefährlich sind, aber gezielt die Larven der Trauermücken im Substrat parasitieren.

Dabei handelt es sich um SF-Nematoden der Art Steinernema feltiae. Diese werden in günstigen Sets von vielen Herstellern angeboten und gelten als sicher für Vogelspinnen.

☝️ SF-Nematoden sind auf Insektenlarven spezialisiert: Sie vergreifen sich nicht an der Spinne. Wenn keine geeigneten Wirte mehr vorhanden sind, verschwindet die Population in der Regel von selbst wieder.


🔴 Rot - tatsächlich gefährlich

Dass sich gelegentlich einzelne Milben auf der Spinne befinden, ist zunächst kein Grund zur Beunruhigung. Wie wir bereits gesehen haben, gehören viele Milbenarten ganz natürlich zum Terrarienökosystem und sind dort auch nützlich. 

Es gibt jedoch auch Organismen, die der Spinne tatsächlich ernsthaften Schaden zufügen können.

Besonders gefürchtet sind dabei einige Vertreter der Nematoden (Fadenwürmer). Während die zuvor erwähnten SF-Nematoden gezielt zur Bekämpfung von Trauermücken eingesetzt werden, gibt es andere Arten, die niemals in die Nähe deiner Spinne gelangen sollten.

Solche parasitären Nematoden siedeln sich häufig im Bereich der Mundöffnung an. Mit zunehmendem Befall kann sich dort ein weißlicher Belag bilden. Betroffene Halter berichten außerdem häufig von ungewöhnlichen "Kaubewegungen" der Cheliceren, ständigem Putzen des Mundbereichs und schleimigen Ablagerungen. 

Ähnlich kann sich auch ein Befall mit parasitischen Milben äußern, die sich direkt am Körper der Spinne ansiedeln und sich von Körperflüssigkeiten ernähren.

Leider gibt es in vielen fortgeschrittenen Fällen keine wirksame Behandlung mehr. Maßnahmen, die die Parasiten sicher abtöten würden, wären für die Spinne ebenso tödlich. 

🪰 Parasitäre Fliegen: Der Ursprung vieler Horrostorys

Ein Bild, welches sich tief bei mir eingeprägt hat, war das einer von Maden befallenen Spinne, die scheinbar sogar noch lebte. Das Foto kursierte damals in einem Onlineforum und viele gingen davon aus, dass es sich bei den Larven um Trauermücken handelte. Diese Annahme habe ich auch lange Zeit übernommen und für mich abgespeichert, dass Trauermücken eine große Gefahr darstellen. 

Heute weiß ich jedoch, dass das höchstwahrscheinlich nicht der Fall war. Viel wahrscheinlicher waren auf der Aufnahme die Larven von Vertretern der Phoridae zu sehen. 

Das sind Buckelfliegen, die selbst nur wenige Millimeter groß sind. Nicht alle Arten der Gattung leben parasitär, jedoch gelten sie in der Terraristik als gefürchtete Gäste. Und das nicht ganz ohne Grund: Buckelfliegen sollen bereits ganze Bestände ausgelöscht haben!

Auf den ersten Blick weisen sie eine optische Ähnlichkeit mit Fruchtfliegen auf. Sie haben jedoch einige Merkmale, die die Unterscheidung erleichtert: kompakte Körperform mit charakteristischem "Buckel", auffälliges, ruckartiges Laufverhalten und dunklere, meist keine roten Augen. 

Die Weibchen der Buckelfliege können ihre Eier in organisches Material legen. Besonders begehrte Ablageplätze sind Futterreste, verendete Tiere oder verletztes Gewebe. Die Larven schlüpfen und ernähren sich von diesem Material. So können theoretisch auch lebende Tiere befallen werden. 

Gegen erwachsene Buckelfliegen können Gelbtafeln helfen. Diese dürften natürlich nicht im Terrarium angebracht werden, sondern im Raum rund um die Terrarien. 

Wichtiger sind präventive Maßnahmen: 

  • konsequentes Entfernen von Futterresten
  • gute Hygiene im Terrarium und im Terrarienraum
  • Kontrolle der Futtertiere

Letzteres ist wichtiger, als du vielleicht denkst. Futtertiere können genau so befallen sein wie die Terrarientiere und es kann passieren, dass du dir die Biester über kontaminierte Futtertiere sogar erst einschleppst.

☝️ Stellst du Buckelfliegen im Behälter oder an den Futtertieren fest, sollten diese Tiere nicht mehr verfüttert werden. 

👉 Fazit: Wie viel Drama ist angemessen? 

Schädliche Parasiten, insbesondere einige Buckelfliegen und Nematoden sind auf alle Fälle ernst zu nehmen und sollten konsequent entfernt und bekämpft werden. 

Aber: Gesunde, kräftige Spinnen werden in der Regel nicht befallen. Es soll solche Fälle gegeben haben und daran zweifle ich auch nicht. Dennoch sind es meist bereits angeschlagene, sehr alte, junge oder verletzte Tiere und die Sichtung gelegentlicher Buckelfliegen muss noch keinen Katastrophenalarm auslösen! 

🍄 Verpilzungen 

Das Atmungsorgan der Vogelspinnen heißt Buchlunge und besteht aus vielen dünnen Lamellen. Diese liegen auf der Unterseite der Spinne und stehen über kleine Öffnungen mit der Außenluft in Verbindung. 

Pilzsporen befinden sich immer mal wieder in der Luft. Bei dauerhafter Feuchtigkeit und schlechter Belüftung kann sich auch Schimmel im Substrat bilden.

Ob Schimmel für die Spinne konkret eine Gefahr darstellt oder nicht, ist nicht immer eindeutig. Er kann aber ein Hinweis auf ein instabiles Mikroklima sein, das Tier damit indirekt schwächen und auch das Wachstum anderer Mikroorganismen fördern oder Parasiten anziehen. 

☝️ Schimmel im Terrarium ist eher ein Warnsignal, nicht automatisch schon eine Gefahr

Avicularia metallica Vogelspinne mit einem Futtertier in ihrem GespinstJedoch können auch die empfindlichen Buchlungen von Verpilzung betroffen sein. Manche Arten neigen stärker dazu als andere; das gilt z. B. für die beliebten Baumbewohner aus den Gattungen Caribena und Avicularia. Ein sorgfältig abgestimmtes Verhältnis zwischen Feuchtigkeit und Belüftung ist hier erst Recht entscheidend. 

Infektionen können die Atmung der Spinne beeinträchtigen, was von außen jedoch nicht ersichtlich sein muss. Eine sichere Behandlung für betroffene Tiere ist mir bislang nicht bekannt. 

Um präventiv vorzubeugen helfen gegen Verpilzung folgende Maßnahmen:

  • ausgewogene Feuchtigkeit
  • gute Belüftung
  • ein stabiles Mikroklima im Substrat mit nützlichen Mikroorganismen, die organisches Material abbauen

☝️ Absolut zu vermeiden ist praktisch immer (!) Staunässe, auch bei robusten Spinnenarten! 

⚠️ Risikofaktoren: Was begünstigt Parasitenbefall und Verpilzung bei Vogelspinnen?

Schädlinge und Pilzsporen kommen in unserer Umgebung natürlicherweise vor und sind vereinzelt für gesunde, gut versorgte Tiere in einem stabilen Umfeld nicht direkt gefährlich.

Aber bestimmte Bedingungen sorgen nicht nur dafür, dass sich der Allgemeinzustand der Spinne auf Dauer verschlechtert, sie begünstigen auch eine Ausbreitung unerwünschter Gäste im Terrarium.

💦 Dauerhaft zu hohe Feuchtigkeit oder gar Staunässe

Auch Vogelspinnen, die feuchter gehalten werden wollen, brauchen keine Sumpflandschaft. Viel mehr profitieren sie von einer an ihre Bedürfnisse angepasste Grundfeuchte im Substrat und an der Oberfläche. 

 ☝️ Zusammen mit einer stabilen Bodenpolizei ist das meist gar kein Problem 

🌬️ Schlechte Belüftung und stehende Luft im Terrarium

Besonders heikel wird es, wenn hohe Luftfeuchtigkeit mit schlechter Luftzirkulation zusammenkommt.

Die meisten Terrarien verfügen über eine durchdachte Belüftung mit entsprechenden Lüftungsflächen auf mehreren Seiten, sodass die Luft gut zirkulieren kann. Dennoch gilt es ein Auge auf einige Dinge zu haben:

  • Hoch eingefülltes oder von der Spinne umgegrabenes Substrat kann Lüftungslöcher großflächig verdecken 
  • In Bodenbewohner-Terrarien muss die Luft auch in Bodennähe zirkulieren können. Darum sollte der Abstand zwischen Belüftungsfläche und Lebensraum nicht zu groß sein. Hohe Terrarienwände mit oben angesetzter Belüfungsfläche benötigen daher auch mehr Substrattiefe. 

🍂 Viel organisches Material im Substrat

Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile sowie Kot werden in einem gesunden Substrat normalerweise relativ schnell von Mikroorganismen und anderen Bewohnern der Bodenpolizei abgebaut.

Trotzdem liefern größere Mengen organischer Materialien einen idealen Nährboden für Pilze und Insekten, besonders kombiniert mit Feuchtigkeit.   

Größere "Brocken" wie halb ausgesaugte Heimchen oder Schaben kannst du besser entfernen, sobald du sicher bist, dass die Spinne ihre Mahlzeit beendet hat. Gleiches gilt für abgestorbene Pflanzenreste. 

Sichtbare Verunreingungen durch Kot an den Scheiben kannst du mit warmem Wasser und einem sauberen Tuch oder Wattepads bzw. Q-Tips entfernen. Achtung mit Reinigungsmiteln! Siehe hierzu Abschnitt Vergiftungen. 

🧼 Mangelnde Hygiene im Terrarium und mit dem Zubehör

Der Pflegeaufwand in der Vogelspinnenhaltung ist überschaubar. Zu emsiges Reinigen und Substratwechsel kann sogar mehr stören als nutzen, weil dabei das natürliche Mikroklima im Terrarium gestört wird.

☝️ Aggressive Reiniger sind ohnehin tabu

Dennoch sollte alles, was ins Terrarium kommt oder was die Spinne berühren oder aufnehmen wird, mit einer guten Hygiene behandelt werden. 

Futterpinzetten und die Unterbringung der Futtertiere sind ebenso wichtig wie das Terrarium selbst. Nahrungsreste und andere organische Abfälle sollten immer mal wieder entfernt werden. 

🤕 Verletzte oder geschwächte Tiere

Ein guter Allgemeinzustand ist wahrscheinlich die beste Prävention gegen jeglichen Befall, wenn auch kein absoluter Schutz. 

Aber bereits verletzte oder angeschlagene Tiere werden leichter zum Opfer von Parasiten.

Neben Hygiene und stabilem Mikroklima ist daher auch wichtig:

  • eine angepasste Fütterung: Weder zu viel, noch zu wenig
  • passende Temperaturen und Luftfeuchte
  • hochwertige und nährstoffreiche Futtertiere 

Verletzungen kann man durch Prävention und Umsicht oftmals vorbeugen.

🚑 Betroffene Tiere im Bestand

Wenn du feststellst, dass eines oder mehrere deiner Tiere von einem Befall betroffen sind, liegt der Fokus sofort auf dem Schutz der übrigen Tiere.

☝️ Insbesondere, wenn du die Quelle nicht feststellen kannst, sollte alles in Betracht gezogen werden.

Mir fällt hierzu eine Anweisung ein, die ich als Biologiestudentin im Labor bekommen habe: Alles, jede Flüssigkeit, jedes Präparat, hat als potenziell infektiös angesehen zu werden. Und so würde ich es auch in diesem Fall handhaben und mich lieber doppelt absichern als einmal zu wenig. 

Pinzetten, anderes Zubehör, Futtertiere, deren Behälter, Substrat und Einrichtung sind als potenziell kontaminiert zu betrachten und entsprechend zu behandeln. 

Mögliche Maßnahmen können sein: 

  • räumliche Separation des betroffenen Tiers und des Terrariums
  • Zubehör; also Pinzetten, Wasserschalen und Sonstiges werden gründlich gereinigt
  • Futtertiere werden kontrolliert und im Zweifel nicht weiter verfüttert
  • das Terrarium selbst auf mögliche Ursachen überprüfen: Substrat, Futterreste etc.

🦠 Eingeschleppte Parasiten durch Futtertiere

Gerade Buckelfliegen werden manchmal über kontaminierte Futterinsekten eingeschleppt. Daher sollten die Tiere vor dem Kauf oder vor der Fütterung gut geprüft werden, ob etwas entsprechendes auffällt. 

Im besten Fall werden die Futtertiere nicht direkt verfüttert, sondern erst mal ein, zwei Tage in einer dafür gerichteten Box gehalten, gefüttert und mit Wasser versorgt.

Befallene Tiere zeigen sich meist folgende Merkmale:

  • lethargisches Verhalten
  • schnelles Versterben
  • sichtbare Larven im Körper oder im Behälter

Ist ein Befall sicher oder es besteht der Verdacht darauf, sollte auf ein Verfüttern aus Sicherheitsgründen verzichtet werden. Alles, womit die Futtertiere in Kontakt kamen sollte ebenfalls entsorgt oder gründlich gereinigt werden. 

☝️ Gelegentlich sind auch Buffalowürmer oder Speckkäferlarven in den Futtertierboxen zu finden. Als Verwerter von Futterresten, Kot und toten Futtertieren sind sie nicht direkt gefährlich, können aber auf mangelnde Hygiene und Feuchtigkeit hinweisen. 

💡 Prävention: Wie lassen sich Parasiten und Verpilzungen vermeiden?

Die beste Strategie gegen Parasiten und Pilzinfektionen ist ein stabiles Terrarienklima und eine saubere Umgebung. Wer es den Sporen und Parasiten so ungemütlich wie möglich macht, fährt schon mal gut! 

Viele Probleme entstehen erst, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen! 

Achte daher grundlegend auf folgende Punkte:

  • den Bedürfnissen angepasste Feuchtigkeit ohne Staunässe
  • ausreichende Belüftung und gute Luftzirkulation
  • ein gesundes Substrat mit stabiler Mikrofauna
  • regelmäßiges Entfernen größerer Futterreste
  • saubere Futtertiere und eine kurze Beobachtungsphase vor dem Verfüttern
  • grundlegende Hygiene beim Zubehör

Das garantiert zwar nicht, dass man niemals von einem Befall betroffen sein wird, aber Parasiten und andere problematische Mikroorganismen haben so deutlich schlechtere Chancen und fühlen sich auch nicht direkt zu dir eingeladen!

👀 Woran erkennt man Parasiten und Verpilzungen bei Vogelspinnen?

Die Symptome können je nach Ursache unterschiedlich ausfallen, einige Anzeichen sind wieder einmal unspezifisch und für sich gesehen noch nicht aussagekräftig. Dazu gehört z. B. eine allgemein geschwächte, apathische Spinne. 

Daher solltest du auf weitere Dinge achten. Mögliche Hinweise sind:

  • weiße Beläge oder schleimige Ablagerungen im Mundbereich
  • ungewöhnliche und anhaltende Kaubewegungen der Cheliceren 
  • viele Milben auf der Spinne, z. B. im Kopf- und Mundbereich
  • Larven oder Würmer in der Nähe der Mundöffnung oder an anderen Stellen
  • watteartige oder graue Beläge auf dem Körper

☝️ Vieles läuft unsichtbar im Inneren ab und lässt sich äußerlich gar nicht oder erst in stark fortgeschrittenem Zustand erkennen. 

🚨 Was tun im Ernstfall?

Bei einem Parasitenbefall ist leider meistens keine Rettung mehr möglich und das wichtigste ist, dass der Befall nicht auf andere Tiere übergreift. 

Es kann sinnvoll sein, die betroffene Spinne aus dem Terrarium zu entnehmen und das Substrat vollständig zu entsorgen.

Dinge wie Wasserschalen oder halbwegs glatte Deko können zur Reinigung behalten werden, schwer zu reinigende Dinge wie Korkröhren würde ich ebenso entsorgen und nicht erneut verwenden. 

👉 Bestimmt kann sich das ein oder andere Tier wieder erholen - tropfen aber bereits die Maden aus dem Körper, kommt wirklich jede Rettung zu spät und das Verhindern weiterer Ausbreitung ist das einzige, was jetzt zählt. 

Ich hoffe du fandest den Artikel hilfreich und konntest etwas daraus mitnehmen. Ich wünsche dir und deinen Tieren beste Gesundheit und bedanke mich fürs Lesen! 

 







 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 


















 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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